Ausweitung von Paragraf 188 "Politikerbeleidigung"

Saarländische Regierung will Beleidigung von Journalisten strafbar machen

Die saarländische Justizministerin Petra Berg (SPD) plant eine Reform, die den Straftatbestand der sogenannten "Politikerbeleidigung" künftig auch auf Journalisten ausdehnen soll. 

Ausweitung von Paragraf 188 "Politikerbeleidigung"

Das berichtet das Rechtsmagazin Legal Tribune Online (LTO). Verkauft wird diese Maßnahme - wen kann es wundern - als sogenannter Schutz der freien Presse, ist bei näherem Hinsehen nichts anderes als ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit – und eröffnet gleichzeitig ein neues Beschäftigungsprogramm für staatlich alimentierte Beobachterposten.

SPD will Pressefreiheit schützen, indem sie sie zerstört

Die Idee ist einfach: Wer Journalisten „angreift“ oder in sozialen Medien beleidigt, soll künftig ähnlich streng verfolgt werden wie bei Angriffen auf Politiker. Begründet wird das mit der Rolle der Medien als „Herzstück der Demokratie“. Dass kritische Stimmen gegen die Presse jedoch Teil derselben demokratischen Debatte sind, scheint dabei unterzugehen.

Mit einer solchen Reform würde der Staat bestimmen, welche Berufsgruppen einen Sonderstatus im öffentlichen Diskurs genießen dürfen – und damit, wessen Gefühle und Reputation strafrechtlich besonders schützenswert sind. Für alle anderen bliebe die übliche Grenze der Beleidigung nach §185 StGB bestehen.

Ein neues Feld für Meldestellen und für den Trusted Flagger-Petzapparat

Die politische Dimension dieser Initiative liegt jedoch nicht nur im juristischen Bereich. Sollte die Erweiterung des §188 tatsächlich beschlossen werden, würde sie auch den staatlichen Apparat der "Meldestellen gegen Hass und Hetze" erheblich stärken.

Jede empörte Wortmeldung über einen Pressevertreter im Netz könnte fortan als potenzieller Straftatbestand gewertet werden. Damit öffnet sich ein weites Feld für neu geschaffene Dokumentationsstellen, Beratungsnetzwerke und staatlich finanzierte Beobachtungseinheiten – mit sicherem Einkommen und moralischem Auftrag.

Ein Heer von Sozialpädagogen, Kommunikationswissenschaftler und politisch orientierte Kulturarbeiter, die auf dem freien Markt notorisch schwer vermittelbar sind, fänden hier ein neues Tätigkeitsfeld. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass solche Programme nicht selten zu dauerhaften Strukturen werden: gefördert durch Steuermittel, ausgestattet mit wachsender Personaldecke und zunehmend unklaren Kompetenzen.

Omnipräsente Kultur des Verdachts: Meinungsfreiheit wird zur Einbahnstraße im "Kampf gegen Rechts"

Die geplante Ausweitung der Sonderregelungen im Strafrecht würde faktisch dazu führen, dass Kritik an Journalisten strafrechtlich gefährlicher wird als Kritik an anderen Bürgern. Damit verschwimmt die Grenze zwischen legitimer Meinung und strafbarer Äußerung – zugunsten einer Gruppe, die ohnehin privilegierten Zugang zur öffentlichen Kommunikation hat.

So entsteht eine doppelte Schieflage: Wer das mediale oder politische Establishment kritisiert, riskiert künftig eine Anzeige, während der öffentliche Diskurs weiter eingeengt wird. Aus dem Schutz der Pressefreiheit könnte so ihr Gegenteil werden – eine juristisch flankierte Immunisierung gegen Kritik.

Schutz und Sicherheit sind die Chiffren eines übergriffigen Staats

Hinter der vermeintlichen Schutzmaßnahme für Journalisten verbirgt sich ein Ausbau des staatlichen Interventionsapparats. Wo Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung äußern, droht künftig eine juristische Bewertung auf Verdacht – begleitet von einem Netzwerk aus geförderten Beratungsstellen, Projekten und Gutachtern.

Die Erweiterung des §188 wäre damit nicht nur ein rechtspolitisches Experiment, sondern auch ein weiterer Schritt in Richtung einer staatlich beaufsichtigten Diskurskultur. Und für manche Berufsgruppen, die im freien Markt kaum Fuß fassen, zugleich ein willkommenes Beschäftigungsprogramm – finanziert aus der Staatskasse.

Sven von Storch

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Comments

Euer Majestät

05.11.2025 | 12:54

Auch Dschornalisten sollen in den Genuß des Majestätsparagraphen kommen. Was es das dann? Oder wird die Liste an Berufsgruppen denen wir, der ordinäre Pöbel, den Arsch zu lekken haben noch länger?

Else Schrammen

05.11.2025 | 14:02

Hatten wir doch schon, bei Kaisers und Königs, nur dass die heutigen Majestäten keine Kronen mehr tragen. In unseren schlimmen Zeiten ist die Regierung der Kaiser, die Abgeordneten die Könige. Dann kommen die Fürsten, die Herren der Länder, die Landräte sind die Herzöge. Weiter unten herrschen die Bürgermeister, die Grafen. Und jetzt sollen die "richtigen" Journalisten als Barone in den Adelsstand erhoben werden. Und dieser ganze Pulk verschanzt sich vor Kritik hinter der "Majestätsbeleidigung". Wen darf ich dann eigentlich noch beleidigen? Den Nachbarn? Die Verwandtschaft? Das macht doch keinen Spaß mehr! Apropos Spaß, wie sieht das im Karneval aus? Darf dann keiner dieses "gehobenen" Standes mehr in der Bütt durch den Kakao gezogen werden? Wird die "Narrenfreiheit" dann auch abgeschafft?!

 5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen[4]. 6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. 7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. 8 Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. 9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. 10 Und dann werden viele zu Fall kommen[5] und werden einander überliefern und einander hassen; 11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen[6]; 12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; 13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. 14 Und dieses Evangelium des Reiches[7] wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen. 15 Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht – wer es liest, der merke auf! –, 

(Matthäus 24, Lukas 21). In dieser Periode werden Menschen egoistisch, undankbar und intolerant sein, und es wird zu religiöser Verführung und Verfolgung kommen (2. Timotheus 3)

Ronald Schroeder

05.11.2025 | 22:12

Das macht Sinn! Wenn eine politische Nomenklatura ihre Macht sichern will, muß sie jede Kritik an den Herrschenden unterbinden und natürlich auch ihre hochbezahlten Claqueure vor Kritik des Volkes schützen, welches mit Zwangsabgaben für die eigene Desinformation zahlen muß.

Das war in der DDR nicht anders.

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