Wie Dominic Burbidge in The New Atlantis darlegt, wird die Debatte um Künstliche Intelligenz von einem grundlegenden Missverständnis beherrscht: Wir behandeln KI wie eine metaphysische Macht, obwohl sie in Wahrheit ein sehr spezielles, begrenztes Werkzeug ist.
Und genau dieses Missverständnis führt dazu, dass die falschen Leute glauben, sie müssten die „Ethik der KI“ definieren: Regulierer, Bürokraten, politische Gremien, die sich abstrakte Regeln ausdenken für etwas, das sie weder verstehen noch praktizieren.
KI ist kein Internet, kein Gott, kein Ersatz für den Menschen. KI ist eine Methode der Mustererkennung in großen Datenmengen. Nicht mehr. Nicht weniger.
Das eigentliche Problem: Wir reden über KI, als sei sie eine neue Spezies
In den letzten Jahren hat sich eine Erzählung durchgesetzt, die KI wie eine neue Lebensform behandelt. Sie werde alles übernehmen, alles ersetzen, alles durchdringen. Politiker sprechen, als müsse man die „Macht der KI“ zähmen, als handle es sich um eine aufkommende Superintelligenz.
Burbidge dreht diese Perspektive radikal um. KI ist nichts anderes als Programmierung. Und Programmierung ist eine menschliche Praxis.
Damit verschiebt sich die ethische Frage vollständig. Es geht nicht mehr darum, welche universalen Regeln wir KI auferlegen, sondern darum, wie gut oder schlecht Menschen programmieren.
Nicht die Maschine ist das moralische Subjekt. Der Programmierer ist es.
Warum Regulierer hier strukturell versagen müssen
Die politische Versuchung ist klar: Man möchte diesmal „früh regulieren“, weil man beim Internet angeblich zu spät war. Doch dieser Vergleich ist falsch.
Das Internet war ein sozialer Raum. KI ist ein Werkzeug innerhalb bestimmter Fachbereiche.
Burbidge argumentiert, dass jede ernsthafte KI-Ethik aus der Praxis selbst entstehen muss – ähnlich wie es bei Wissenschaft, Handwerk oder Medizin der Fall ist. Ein guter Arzt wird nicht durch allgemeine Gesetze gut, sondern durch Tugenden, Gewohnheiten, Verantwortung und Fachkenntnis innerhalb seiner Praxis.
Dasselbe gilt für KI.
Die Ethik entsteht dort, wo programmiert wird. Nicht dort, wo Papiere geschrieben werden.
Alasdair MacIntyre und der Programmierer als moralischer Akteur
Burbidge greift hier auf Alasdair MacIntyres Begriff der „Praxis“ zurück: Tätigkeiten, die eigene innere Güter und eigene Maßstäbe der Exzellenz besitzen.
Schach, Wissenschaft, Architektur – und eben auch Programmierung.
Gute Programmierer brauchen Tugenden: Ehrlichkeit im Umgang mit Daten, Verantwortungsbewusstsein gegenüber Nutzern, Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern, Verständnis für den konkreten Anwendungsbereich.
Nicht abstrakte Rationalismus-Projekte, sondern gelebte Praxis.
Warum KI gerade deshalb begrenzt ist
Ein besonders wichtiger Punkt bei Burbidge: KI erscheint nur deshalb allumfassend, weil man inzwischen alles „KI“ nennt.
Wettermodelle, Übersetzungssoftware, Bewerberfilter, Chatbots – alles wird unter demselben Label geführt. Das erzeugt die Illusion einer allmächtigen Technologie.
Tatsächlich bleibt der Kern simpel: Muster erkennen, darauf reagieren.
Das ist enorm nützlich in Medizin, Recht, Linguistik oder Finanzen – aber immer nur dort, wo Fachwissen die Maschine lenkt.
Deshalb braucht es laut Burbidge nicht „AI for everyone“, sondern medizinische Programmierer, juristische Programmierer, linguistische Programmierer. Spezialisten, keine Universaltechnologen.
Warum das für die aktuelle Debatte entscheidend ist
Diese Sichtweise hat politische Sprengkraft. Wenn KI ein Werkzeug ist, dann ist die entscheidende Frage nicht „Wie regulieren wir KI?“, sondern „Wie bilden wir Programmierer aus?“
Philosophie, Ethik, Anthropologie gehören nicht in ein EU-Regelwerk, sondern in die Ausbildung der Entwickler. Nicht der Staat, sondern der Charakter derjenigen, die programmieren, entscheidet über die Qualität der KI. Das ist eine unbequeme Wahrheit für eine Zeit, die lieber Systeme reguliert als Menschen bildet.
Die Rückkehr des Handwerks
Burbidge beschreibt letztlich nichts anderes als eine Rückkehr zum Handwerksgedanken: Technik ist keine autonome Macht, sondern Ausdruck menschlicher Praxis. Und jede Praxis braucht Tugend. KI ist kein Schicksal. Sie ist das, was Programmierer aus ihr machen.


Comments
KI
Mein Reden: Jeder Computer ist nur so "Intelligent" wie der Mensch, der die Programme schreibt. Und KI ist in meinen Augen nicht anderes als ein erweiterter Computer, von Menschen programmiert. Nur, dass man hier zusammen mit der Programmierung auch noch ganz viel Ideologie unterbringen kann. Je nach Entwickler plappert sie unterschiedlich, ob Apple Intelligence, Alexa, Gemini, Open AI oder Grok - man kann erkennen, aus welcher ideologischen Ecke der Chatbot kommt. Mit KI ist es natürlich einfacher, Bilder oder Videos nach eigenem Gusto aufzubereiten aka zu fälschen. Sie kann bei entsprechender Programmierung Romane schreiben oder die Mona Lisa malen. KI ist einfach nur eine weitere Krücke, die unser Leben erleichtern kann. Den menschlichen Geist, seine Kreativität wird sie allerdings NIE ersetzen können!.
Was ist Intelligenz ?
WAS sagt denn überhaupt die “KI“ z. B. über die Bibel ?
Voilá: https://youtu.be/v2EGEwZDNvI
Harakiri vom WEF wird sich ärgern müssen - glaub ich !
Vielleicht wird die KI ja sogar irgendwann wieder verboten !?
Oder sie wird irgendwie speziell noch mal vorprogrammiert werden müssen - zu bestimmten Themen (für Harakiri) !?
Wobei man sich schon auch fragen könnte/sollte, ob man bei einem programmierten System noch von wirklicher “Intelligenz“ sprechen kann !
KI
Bin ihrer Meinung, habe früher se3lbst Fortran Programme geschrieben, das was sie eingeben ist das was dabei auch rauskommt. KI ist nur die Meinung der Auftraggeber der Programmierer
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