Langfristig Unabhängigkeit von US-Zuwendungen angestrebt

Netanjahu will US-Hilfe für Israel schrittweise abschaffen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat erklärt, dass Israel sich langfristig von amerikanischer Militärhilfe unabhängig machen will. Ziel sei es, die Hilfe innerhalb von zehn Jahren vollständig einzustellen, sagte Netanjahu in einem Interview mit dem Economist.

Netanjahu und Trump


Eigenständigkeit Israels voran gebracht

Netanjahu argumentiert, Israel habe über lange Zeit eine starke Wirtschaft und eine fortschrittliche Rüstungsindustrie aufgebaut, was es ihm seiner Meinung nach ermögliche, die Beziehungen zu den USA im Bereich der Militärhilfe neu zu überdenken. "Ich möchte die Militärhilfe innerhalb der nächsten zehn Jahre schrittweise abschaffen", sagte Netanjahu in dem Interview. Auf die Frage, ob er glaube, dass die Hilfe letztendlich auf null reduziert werde, antwortete er mit Ja. 

Unterstützung der USA wird diskutiert

Die enormen Zahlungen amerikanischer Steuerzahler an Israel wurden durch amerikanische Politiker ermöglicht. Israels Vorgehen im Gazastreifen in den letzten Jahren hat jedoch zu einer stark wachsenden Opposition gegen die Beziehungen israelischer Politiker zu Israel geführt, sowohl im linken als auch im rechten politischen Spektrum der USA. Die Unterstützung Israels gilt nun als langfristig gefährdet. 

Netanjahu sieht USA und Israel auch zukünftig Seite an Seite

Der israelische Premierminister betont, dass er die Beziehungen zu den USA nicht abbrechen und auch nicht die Unterstützung der Amerikaner verlieren wolle. "Das heißt nicht, dass ich nicht um die Loyalität und Unterstützung des amerikanischen Volkes kämpfen will. Im Gegenteil. Es wäre verrückt, es nicht zu tun." Israel erhält derzeit jährlich über 3,8 Milliarden US-Dollar an Militärhilfe von den USA, hauptsächlich in Form von Waffen. Das aktuelle Hilfsabkommen wurde 2016 während der Präsidentschaft von Barack Obama ausgehandelt und läuft 2028 aus. 

Auch US-Republikaner stimmen für den Abbau der Militärhilfe

Die Erklärung hat in Washington Reaktionen hervorgerufen. Der republikanische Senator und Kriegsbefürworter Lindsey Graham, einer der stärksten Unterstützer Israels im US-Kongress, erklärte, er wolle den Prozess beschleunigen. "Aus meiner amerikanischen Sicht müssen wir nicht zehn Jahre warten", sagte Graham gegenüber Jewish Insider. Er erklärte, er wolle die Entwicklungshilfe schneller auslaufen lassen und das Geld stattdessen für die amerikanische Verteidigung verwenden. Jeder Dollar, den wir durch Effizienzsteigerungen oder von Verbündeten, die das Geld nicht mehr benötigen, einnehmen können, ist willkommen, um unser Militär zu stärken." 

Klarer Kurswechsel

Netanjahus Aussage stellt einen klaren Kurswechsel dar, verglichen mit der bisherigen Ausrichtung Israels. Noch im November 2025 berichtete Axios, Israel strebe ein neues, 20-jähriges Hilfsabkommen mit den USA an, das auf die Bedürfnisse der Regierung von Donald Trump zugeschnitten sei. Die Aussage stieß in Israel auf Kritik. Oppositionsführer Jair Lapid hält das Verhalten des Premierministers für unprofessionell. "Das ist kein Grund, eine so wichtige Sicherheitskooperation aufzugeben", sagte Lapid gegenüber dem israelischen Nachrichtensender KAN. Er warnte, ein Ende der Hilfe könne zu höheren Steuern führen, Israels technologischen Vorsprung schwächen und die israelisch-amerikanische Lobbyarbeit weiter untergraben.

Sven von Storch

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Kommentare

Ekkehardt Fritz Beyer

14.01.2026 | 11:07

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