Den Erwartungen der Meinungsforscher entsprechend, aber gegen die geballte Abwehr durch die Regierung, Medien und Intellektuelle haben die Kroaten am letzten Sonntag für das Referendum über die Ehe gestimmt. Das heißt, dass in der Verfassung die Ehe als Verbindung von Mann und Frau definiert werden wird.
Das Referendum war von der Bürgerbewegung Im Namen der Familie betrieben und unter anderem von der katholischen Kirche unterstützt worden. Homosexuellenverbände hatten sich dagegen ausgesprochen.
Regierung übte Druck aus
In Kroatien ist das Begehren massiv bekämpft worden. Befürworter sind von der Obrigkeit unter Druck gesetzt worden; man wollte sie zum Schweigen bringen. Zum Beispiel berichtete der Studentenpfarrer der Universität Zagreb Damir Stojić der FAZ, dass er vom Rektor die Anweisung erhalten habe, nur noch über »Themen zu sprechen, die nicht theologischer Natur sind«.
Über solche Einschüchterungsversuche konnte man in den kroatischen Zeitungen indes nichts lesen, weil auch die großen Medien gegen die Bürgerinitiative gekämpft haben. Sie versuchten, sie totzuschweigen. Dabei war schon das Verfahren zur Zulassung des Referendum spektakulär erfolgreich gewesen: Im Namen der Familie konnte mehr als doppelt so viele Unterschriften vorlegen wie erforderlich. Entgegen aller Gewohnheit entschlossen sich die Medien, der (bei solchen Ereignissen übliche) Party fernzubleiben.
Tendenziöse Berichterstattung im Ausland
Ein bezeichnendes Licht auf die Journalistenzunft wirft auch die Berichterstattung in den vielen deutschsprachigen Medien: Tendenziöser ging es kaum noch. Ein Bericht der Deutschen Welle von letzter Woche blieb zwar im Ton sachlich, doch er erweckte den Eindruck, als wäre das Referendum die Ursache für die Polarisierung der öffentlichen Meinung in dieser Frage. Dass umgekehrt ein Schuh daraus wird, wird verschwiegen: Es sind wohl eher die Versuche der entsprechenden Lobbygruppen, die Ehe auszuhöhlen, die die mehrheitlich katholischen Kroaten auf die Barrikaden brachten.
Auch die österreichische Zeitung Der Standard hat in einem Bericht anlässlich der bevorstehenden Homosexuellen-Demonstration in Zagreb im Juni sich nicht darauf beschränken wollen, den Lesern Informationen zu vermitteln und Stimmungen wiederzugeben. Der Autor beklagt darin, dass sich in Kroatien »Nichtverheiratete, Nichtheterosexuelle, Nichtgläubige oft nicht integriert fühlen.«
Vor allem aber versucht er, den Familienbegriff umzudeuten, indem er den Initiatoren des Referendums vorwirft, sie hätten »den Begriff ›Familie‹ für sich gekapert.« Auch hier ist es natürlich gerade umgekehrt: Die Homosexuellenverbände wollen die Begriffe der Ehe und der Familie umdeuten und letztlich die Institutionen auflösen. Sie kapern sie, nicht die Bewahrer von Ehe und Familie.
Das beste Beispiel für diese Umdeutungsversuche bietet der vom Standard als Kronzeuge aufgerufene Mitorganisator der Demonstration, Marko Jurčić. Er sieht sich als Opfer einer »homophoben Kampagne«. Zugleich behauptet er allen Ernstes, homosexuelle Verbindungen hätten dieselbe Qualität wie heterosexuelle, aus denen Kinder hervorgehen können: »Wir haben eine Familie, wir ziehen Kinder groß und das wird sich nicht ändern.« Dass derartige Verstiegenheiten auf Widerspruch bei wertegebundenen Kroaten stoßen, will dem Verfasser des Standard-Artikels erkennbar nicht in den Kopf.
An der Realität vorbei
Und so prallen in der Frage des Verfassungsreferendums in Kroatien Realität und journalistisches Wunschbild aneinander. Dabei ist die Propaganda, die kroatische und ausländische Medien verbreitet haben, ist substanzlos, denn davon, dass das Referendum eine homosexuellenfeindliche Stoßrichtung gehabt hätte, kann nicht die Rede sein. Nicht einmal die EU-Kommission hat sich dieser Meinung angeschlossen. Und auch das kroatische Verfassungsgericht hatte die Zulässigkeit des Referendums bestätigt und lediglich verlangt, dass die gesetzliche Regelung nicht-ehelicher und homosexueller Partnerschaften dadurch nicht vorweggenommen werden dürften.


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