Welche Akteure in den USA und der City of London wollen durch die Sanktionspolitik die Wettbewerbsfähigkeit der Chinesischen Industrie fördern ?

US-Sanktionen gegen Venezuela und Iran haben billige Energie für China als zentrales Ergebnis

Die US-Sanktionen gegen Venezuela und den Iran haben über Jahrzehnte zu einer Umleitung von Öl-Exporten geführt. Beide Länder verkauften große Mengen Rohöl zu erheblichen Rabatten an China, was Peking einen spürbaren Preisvorteil bei der Energieversorgung verschaffte.

US-Sanktionen gegen Iran und Venezuela verschaffen China günstige Energie und stärken seine Industrie


Berichte und Analysen zeigen, dass dies ein wesentlicher Effekt der Sanktionspolitik war, während andere Ziele wie ein Regimewechsel oder eine Schwächung der betroffenen Staaten nur begrenzt erreicht wurden. Schätzungen gehen davon aus, dass China allein durch die Rabatte bei venezolanischem und iranischem Öl in den Jahren 2023–2025 jährlich ca. 6–7 Milliarden US-Dollar einsparte – kumuliert über die gesamte Sanktionsperiode seit etwa 2018 deutlich über 40–50 Milliarden US-Dollar.

Sanktionspolitik und Umleitung der Ölströme

Die Vereinigten Staaten verhängten seit den 2010er Jahren umfassende Sanktionen gegen die Ölsektoren Venezuelas und Irans. Bei Venezuela traten diese 2017/2019 unter der Trump-Administration ein und richteten sich gegen die staatliche Ölgesellschaft PDVSA sowie gegen Finanztransaktionen. Beim Iran wurden die Sanktionen nach dem Ausstieg aus dem Atomabkommen (JCPOA) 2018 wieder verschärft und zielten auf den Export von Rohöl ab. In beiden Fällen verloren die Länder Zugang zu westlichen Märkten und zum US-Dollar-System.

Venezuela und Iran reagierten mit einer Umleitung ihrer Exporte. China wurde zum wichtigsten Abnehmer. Nach Angaben verschiedener Analysen und Schifffahrtsdaten übernahm China seit den Sanktionen 65 bis 85 Prozent der venezolanischen Öl-Exporte. Beim Iran gingen 80 bis 95 Prozent der exportierten Mengen nach China, oft über indirekte Routen und eine sogenannte Shadow Fleet von Tankern. Diese Umleitung erfolgte häufig über Transshipment in Drittländern wie Malaysia oder durch Barter-Geschäfte und Schuldentilgung.

Historische Preisentwicklung und Rabatte für China

Die Sanktionen führten zu einem deutlichen Preisabschlag bei den Lieferungen an China. Venezuela verkaufte sein schweres Rohöl (Merey) zu Rabatten, die je nach Sanktionsdruck zwischen 5 und 15 US-Dollar pro Barrel unter dem Brent-Benchmark lagen. In Phasen starker Durchsetzung der Sanktionen (z. B. 2025) stiegen die Rabatte auf bis zu 14–15 Dollar unter Brent. Frühere Vergleichsdaten zeigen, dass die Abschläge vor der Verschärfung der Sanktionen bei 5–8 Dollar lagen. China profitierte damit von günstigeren Importpreisen, die oft als Teil von Kreditrückzahlungen strukturiert waren.

Beim Iran lagen die Rabatte für iranisches Leichtöl (Iranian Light) und Schweröl in den Jahren 2018–2025 bei 3 bis 12 Dollar unter Brent, je nach Intensität der Sanktionsdurchsetzung. In der zweiten Hälfte 2025 erreichten die Rabatte 8–10 Dollar pro Barrel. Analysten wie Kpler und S&P Global dokumentierten, dass chinesische unabhängige Raffinerien („Teapots“) diese Rabatte nutzten, um ihre Margen zu sichern.

Konkret importierte China 2025 durchschnittlich ca. 1,38 Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag und profitierte bei Rabatten von 8–10 USD pro Barrel von Einsparungen in Höhe von etwa 4,5 Milliarden US-Dollar jährlich. Bei Venezuela lagen die Importe bei ca. 389.000–570.000 Barrel pro Tag (oft 50–80 % der venezolanischen Exporte) mit Rabatten von 14–15 USD pro Barrel, was Einsparungen von ca. 2–4 Milliarden US-Dollar pro Jahr bedeutete. Zusammen ergab sich für China aus beiden Quellen ein jährlicher Kostenvorteil von ca. 6–7 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2023–2025. Im Vergleich zum durchschnittlichen Brent-Preis (der in den Jahren 2020–2025 zwischen 60 und 100 Dollar schwankte) ergab sich für China ein Kostenvorteil von mehreren Milliarden US-Dollar jährlich. Schätzungen gehen davon aus, dass Peking durch die sanktionierten Lieferungen aus Venezuela und Iran strategische Reserven (bis Anfang 2026 ca. 1,2 Milliarden Barrel) zu reduzierten Preisen aufbaute und die Produktionskosten in der Industrie senkte.

Diese Rabatte entstanden, weil Venezuela und Iran Käufer finden mussten und Risiken wie Beschlagnahmung oder Finanzsanktionen kompensieren mussten. China als Hauptabnehmer konnte die Preise drücken, ohne selbst direkt sanktioniert zu werden. Bereits in den ersten neun Monaten 2023 beliefen sich die Einsparungen aus iranischem Öl auf ca. 4,2 Milliarden USD und aus venezolanischem Öl auf ca. 1,17 Milliarden USD (annualisiert höher).

Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft und die Kommunistische Partei

Der Preisvorteil bei der Energieversorgung stärkte die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Industrie. Günstigeres Rohöl senkte die Kosten für Raffinerien, Chemie und Transportsektor. Unabhängige Raffinerien in China, die auf schwere und saure Rohöle spezialisiert sind, profitierten besonders. Berichte deuten darauf hin, dass diese Rabatte dazu beitrugen, die Energieimportkosten Chinas zu stabilisieren und die wirtschaftliche Expansion zu unterstützen. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) konnte dadurch ihre Legitimation durch wirtschaftliches Wachstum und stabile Versorgung festigen.

Die Sanktionspolitik der USA hatte somit den Effekt, China über Jahre hinweg einen strukturellen Vorteil bei der Energiebeschaffung zu verschaffen. Venezuela und Iran wurden gezwungen, zu niedrigeren Preisen zu liefern, während China als Käufer letzter Instanz agierte und die Mengen zu günstigen Konditionen aufnahm.

Mögliche Nutznießer in den USA und der City of London

Die Frage, wer von dieser Politik in den USA und im Finanzzentrum London profitierte, wird in Analysen unterschiedlich diskutiert. In den Vereinigten Staaten könnten geopolitische Akteure und Teile der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie von der Aufrechterhaltung von Spannungen profitiert haben, da höhere Ölpreise und regionale Instabilität Investitionen in Verteidigung und alternative Energiequellen begünstigten. Einige Finanzakteure an der Wall Street nutzten die Volatilität der Ölpreise für Derivate und Handelspositionen. Direkte Vorteile für die US-Ölindustrie blieben jedoch begrenzt, da venezolanisches Schweröl nicht direkt mit US-Leichtöl konkurrierte.

In der City of London, einem globalen Finanz- und Versicherungszentrum, könnten Banken und Versicherer von Compliance-Dienstleistungen und der Abwicklung komplexer Transaktionen profitiert haben. Die Shadow Fleet und Umleitungen erzeugten Nachfrage nach spezialisierten Finanzinstrumenten, Schiffsversicherungen und Rechtsberatung. Gleichzeitig trugen höhere globale Ölpreise in manchen Phasen zu Gewinnen bei Energiehandelsfirmen und Rohstoffderivaten bei. Konkrete Daten zu individuellen Profiteuren liegen jedoch nicht öffentlich vor; die Politik wurde primär mit geopolitischen Zielen wie der Eindämmung von Einflusssphären begründet.

Die Sanktionen gegen Venezuela und Iran führten über Jahrzehnte zu einer Umverteilung von Ölströmen, die China einen nachweisbaren Preisvorteil verschaffte. Die historische Preisentwicklung und die Rabattstrukturen dokumentieren diesen Effekt.

Sven von Storch

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Kommentare

Ekkehardt Fritz Beyer

08.04.2026 | 18:06

... „Die Sanktionen gegen Venezuela und Iran führten über Jahrzehnte zu einer Umverteilung von Ölströmen, die China einen nachweisbaren Preisvorteil verschaffte. Die historische Preisentwicklung und die Rabattstrukturen dokumentieren diesen Effekt.“ 

Ja mei: ... „Der Aufstieg Chinas hat in den USA bereits in den 1990er Jahren eine außenpolitische Diskussion ausgelöst, die zwar wesentlich in strategischen Sicherheitszirkeln und Thinktanks geführt wurde, aber auch immer wieder in die breitere Öffentlichkeit schwappte: Es geht um den unausweichlichen Konflikt zwischen der dominanten und der aufstrebenden Macht“!!! ...

https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/usa-vs-china/ 

Und China wird das für sein Militär ausnutzen,der Ami wird das noch zu spüren bekommen.Soviel Blödheit muss man erstmal bringen.Die Osterweiterung war für China der volle Grund richtig massiv Aufzurüsten,zu recht.Die USA können absolut  damit rechnen im Fall eines Falles die volle Breitseite zu bekommen.Naja ein getretener Hund kann auch mal zurückbeissen.Liegt in der Natur der Spezies.

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