Während in den umliegenden Ländern wie Irak, Syrien, Afghanistan oder Pakistan die Religiosität zunimmt oder stark bleibt, nimmt sie im Iran wohl ab. Das berichten viele Exil-Iraner, die noch mit ihren Familien im Iran in Kontakt stehen. Das Internet und die Sozialen Medien sind voll von solchen Beobachtungen und Aussagen.
All die Vorschriften, Verbote, Einschränkungen über Jahrzehnte haben die Menschen mürbe gemacht. Die totalitäre Art der staatlichen Religionsüberwachung hat in den Herzen vieler Menschen das genaue Gegenteil bewirkt. Privat wenden sich immer mehr Iraner von den üblichen Formen des Islam ab. Sie werden zu heimlichen Agnostikern, Atheisten oder säkularen Muslimen oder wenden sich privat anderen Religionen zu.
Die Religion und Philosophie, die unter vielen Iranern wieder an Popularität gewinnt, ist die Lehre des Zarathustra, der uralte persische Zoroastrismus
Sehnsucht nach der Weisheit und Kultur des alten Persien
Der Zoroastrismus, eine der ältesten monotheistischen Religionen, wurde vor rund dreitausend Jahren vom Propheten Zarathustra gegründet. Im Zentrum steht der weise Schöpfergott Ahura Mazda als Verkörperung von Wahrheit, Ordnung und Gutem. Die Welt ist Schauplatz eines kosmischen Kampfes zwischen Gut und Böse. Jeder Mensch besitzt freien Willen und soll sich durch gute Gedanken, gute Worte und gute Taten aktiv für das Gute entscheiden. Durch ethisches Leben hilft er, das Böse zu besiegen. Nach dem Tod wird die Seele gerichtet. Am Ende der Zeiten erfolgt die endgültige Erneuerung der Welt, in der das Gute vollständig siegt. Viele Elemente dieser Lehre finden wir auch im Christentum wieder.
Die meisten Iraner sind ethnische Perser. Ihre Sprache ("Farsi" -> "Parsi" -> "Persisch") ist ein Abkömmling des alten Persischen, dass einst die Menschen zur Zeit der Achämeniden und Sassaniden gesprochen hatten. Durch die Eroberung Persiens durch die Araber wurde die Schrift geändert (Arabische Schrift) und mit allerlei arabischem Vokabular durchsetzt, blieb aber im Kern persisch.
Ablehnung des Islam als "arabische" Religion und Lebensweise
Viele junge Iraner sehen im Islam eine typisch arabische Religion und Lebensweise, die ihnen durch die arabischen Eroberungen im Mittelalter aufgedrückt wurden. Nicht wenige lehnen dies ab, trauen sich aber nicht, dies öffentlich im Iran zu äußern. Stattdessen zeigt sich die Wiederentdeckung der alten persischen Kultur und die Hinwendung zum Zoroastrismus in vielen kleinen versteckten Details.
Klar ist: Sollte es im Iran zu einer Revolution kommen und anschließend zur Religionsfreiheit, wird der schiitische Islam zahlreiche Anhänger verlieren und der Zoroastrismus eine Renaissance erleben. In welchem Ausmaß, bleibt allerdings nur zu spekulieren.


Kommentare
... „Heimliche Renaissance…
... „Heimliche Renaissance des Zoroastrismus“ ...
Was bei der immer größer werdenden Zahl von Iranern in Deutschland etwa schon eine Alternative zum Christentum darstellt?https://www.google.com/search?q=wie+viele+iraner+leben+in+deutschland&client=ms-google-coop&hs=W5kU&sca_esv=db2351f46a6aa745&cx=005302240274478609687%3Ar1jkxfvqrrj&ei=GsGgabrOAfiqi-gPzaLL4QQ&biw=1024…
Ja mei, selbst für einen wie mich ist klar erkennbar - „wir steuern auf eine Großkrise zu: Die Freiheitsrechte und die Marktwirtschaft erodieren, das monetäre System kollabiert“!!!
https://dokumen.pub/die-brgerliche-revolution-9783784483719.html
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