Der unsichtbare Faden:

Chatham House und die lange Linie Globaler Macht

"Chatham House hat sich hundert Jahre lang als neutraler Beobachter präsentiert – und tut es weiter. Doch wer genau hinsieht, erkennt die Kontinuität: ein britischer Faden, der sich durch die Jahrzehnte zieht, taktisch anpassungsfähig, aber in der Kernfrage immer auf derselben Seite. Die Seite derer, die die Welt am besten aus London, New York oder Davos heraus lenken können."

Chatham House


1920 in London, kurz nach dem großen Krieg, atmet die Stadt noch nach Schießpulver und Verträgen. In diesem Moment gründen ein paar einflussreiche Briten und ein Amerikaner das Royal Institute of International Affairs – später Chatham House genannt. Lionel Curtis, ein Mann aus den Kreisen der Round-Table-Bewegung, und Lord Robert Cecil, Mitarchitekt des Völkerbunds, stehen Pate. Es soll ein Ort für kluge Gespräche über die Welt sein. Aber wer genau spricht hier mit wem? Von Anfang an sind es die Leute aus dem Foreign Office, aus der City, aus den Akteuren, die das Empire über Jahrhunderte gelenkt haben.

Das Gebäude in St James’s Square wird 1923 von einem kanadischen Mäzen geschenkt, 1926 kommt die Royal Charter dazu. Die berühmte Chatham House Rule – du darfst verwenden, was gesagt wurde, aber nicht sagen, wer es gesagt hat – schafft einen Raum, in dem Diplomaten, Banker und Politiker offen reden können, ohne dass es morgen in der Zeitung steht. Perfekt, wenn man langfristige Linien ziehen will, ohne dass die Öffentlichkeit jedes Detail mitbekommt.

In den 1930er Jahren warnt das Institut vor dem heraufziehenden Krieg – Felix Somary sieht es kommen. Im Zweiten Weltkrieg wird Chatham House quasi zum verlängerten Arm des Foreign Office: Der Foreign Press and Research Service in Oxford liefert Analysen für die Kriegsführung und plant schon die Welt danach. Nach 1945 ist das Institut maßgeblich an Bretton Woods beteiligt, an IWF und Weltbank, an den Vereinten Nationen. Es hilft bei der Dekolonisation – aber immer so, dass die alten Handelswege und Finanzströme erhalten bleiben.

Im Kalten Krieg wird es zum stillen Vermittler zwischen Ost und West, später begleitet es die europäische Integration und den britischen Beitritt zur EWG. Heute, im Jahr 2026, steht es immer noch da: einer der einflussreichsten Think Tanks außerhalb der USA. Es hat sich angepasst – von Empire zu transatlantischer Ordnung, von Völkerbund zu UN und Agenda 2030 –, doch die Grundrichtung blieb: eine Weltordnung, die offene Märkte, stabile Finanzströme und verlässliche Regeln für globale Akteure schafft.

Eine Ordnung für wen?

Chatham House hat nie nur analysiert. Es hat mitgestaltet. Die Publikation International Affairs seit 1922, die Jahresberichte, die Konferenzen – alles das hat die Sprache geprägt, in der über internationale Politik geredet wird. Es war dabei, als die liberale Weltordnung nach 1945 gebaut wurde, und es ist dabei, wenn heute über ihre Krise gesprochen wird. Die US-UK-Spezialbeziehung? Chatham House hat sie immer gestützt. Die EU? Es hat den britischen Beitritt begleitet und den Brexit kommentiert. Das Völkerrecht? Es wird hier ernst genommen – solange es die großen Spieler schützt.

Das Institut ist ein Ort, an dem Staatschefs, Ex-Premierminister und Konzernlenker aufeinandertreffen. Gandhi war da, Kissinger, Zhao Ziyang. Heute sprechen hier Leute wie Mark Carney, Theresa May, Helen Clark – und ab Mai 2026 Baroness Amos als neue Präsidentin. Die personellen Brücken reichen tief: ehemalige MI6-Chefs wie John Sawers sitzen in Gremien, der aktuelle MI6-Chef Richard Moore tritt bei Events auf. Unter der Chatham House Rule wird über Cyber, Russland, China diskutiert – oft mit Leuten, die gestern noch im Geheimdienst saßen.

Die Finanzspur

Die Geldgeber erzählen ihre eigene Geschichte: BlackRock, HSBC, Barclays, BP, Chevron, die Bank of England, die City of London selbst. Über 250 Corporates sind Mitglieder oder Sponsoren. Das ist kein Zufall. Hier wird über Finanzstabilität, Nachhaltigkeit und globale Märkte geredet – Themen, bei denen die Interessen großer Institutionen und Konzerne besonders stark wiegen. Wenn Chatham House über internationale Regeln spricht, dann meist solche, die grenzüberschreitende Geschäfte erleichtern und absichern.

Der Kontrast zu Trump

Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus 2025 beobachtet Chatham House seine Politik mit spürbarer Skepsis. Die Zölle, die Infragestellung von Allianzen, die Betonung nationaler Souveränität – all das wird als Gefahr für die globale Stabilität gesehen. Direktorin Bronwen Maddox spricht von einer „radikalen Neuausrichtung“, die die USA von den Prinzipien abbringt, die sie selbst mit aufgebaut haben. Tarife werden als kontraproduktiv analysiert, weil sie Preise treiben und Wachstum bremsen. Die „Might-is-Right“-Haltung wird als Erosion internationaler Normen kritisiert.

Trump hingegen sieht es anders. „America First“ heißt für ihn: Arbeitsplätze zurückholen, Handelsdefizite senken, Verbündete zur Kasse bitten, illegale Einwanderung stoppen. Er will die USA nicht mehr als ewigen Garanten einer Ordnung sehen, die vor allem anderen nützt. Seine Anhänger lesen darin den Versuch, die Interessen normaler Amerikaner – Arbeiter, Familien, kleine Unternehmen – wieder in den Vordergrund zu rücken.

Zwei Welten

So stehen sich zwei Logiken gegenüber. Auf der einen Seite ein Denken, das in Netzwerken wie Chatham House gepflegt wird: langfristige Stabilität durch offene Märkte, multilaterale Institutionen und Regeln, die globale Akteure schützen. Auf der anderen Seite ein Kurs, der sagt: Der Nationalstaat ist nicht verhandelbar, die eigenen Bürger gehen vor, und internationale Verpflichtungen müssen sich daran messen lassen, ob sie dem eigenen Land nutzen.

Chatham House hat sich hundert Jahre lang als neutraler Beobachter präsentiert – und tut es weiter. Doch wer genau hinsieht, erkennt die Kontinuität: ein britischer Faden, der sich durch die Jahrzehnte zieht, taktisch anpassungsfähig, aber in der Kernfrage immer auf derselben Seite. Die Seite derer, die die Welt am besten aus London, New York oder Davos heraus lenken können.

Und genau das macht den Graben zu Trump so tief. Er stellt diese ganze Architektur infrage – nicht aus Ideologie, sondern aus einem sehr handfesten Gefühl: dass die Regeln von gestern nicht mehr für die Menschen von heute gemacht sind.

Sven von Storch

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Comments

Ekkehardt Fritz Beyer

15.01.2026 | 11:35

... „Und genau das macht den Graben zu Trump so tief. Er stellt diese ganze Architektur infrage – nicht aus Ideologie, sondern aus einem sehr handfesten Gefühl: dass die Regeln von gestern nicht mehr für die Menschen von heute gemacht sind.“

Ja mei: Schon „mit dem Amtsantritt Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten im Jahr 2025 – gewissermaßen „Trump 2.0“ – deutete „sich eine erneute Verschiebung der internationalen Kräfteverhältnisse an. Seine Rückkehr in das höchste US-Staatsamt ist begleitet von großen Versprechungen, die Vereinigten Staaten wieder zu einer unabhängigen, uneingeschränkt souveränen Macht zu machen, die ihre Interessen notfalls gegen die gesamte Welt durchsetzen will“!!!

https://materie.at/gk/trump-2-0-und-die-globale-geopolitische-ordnung/

Hochinteressante Hintergründe zum Globalismus!

Entlarvend ist die Aussage, daß "die Betonung nationaler Souveränität (u.a. bei Trump oder der AfD) als Gefahr für die globale Stabilität" gesehen wird.

Sollte man da nicht besser von einer "Gefahr für die Weltmachtbestrebungen der Globalisten" reden? Mit dem Endziel Versklavung der Menschheit im Great Reset ...

Der unsichtbare Faden:

Chatham House und die lange Linie Globaler Macht

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https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/julia-kloeckner/fragen-antworten/welche-themen-wurden-auf-der-bilderberg-konferenz-in-stockholm-besprochen-an-der-sie-teilgenommen-haben

Antwort 03.07.2025 von Julia Klöckner CDU

Sehr geehrter Herr H.,

danke für Ihre Frage. Da Sie sich auf meine Aufgaben als Bundestagspräsidentin beziehen, antworte ich Ihnen nicht in meiner Funktion als Abgeordnete, sondern als Vertreterin des Verfassungsorgans Deutscher Bundestag und der Gesamtheit seiner Mitglieder sowie dank der Zuarbeit der Bundestagsverwaltung...

...Um den vertraulichen Austausch zu gewährleisten, findet die Konferenz unter der sogenannten Chatham-House-Regel statt....

..Insofern bitte ich Sie um Verständnis, dass ich Ihnen keine Details zu den Gesprächen über Entvölkerung und Migration nennen kann. Ich kann Ihnen jedoch sagen, dass der Begriff ‚Depopulation‘ unter anderem von den Vereinten Nationen genutzt wird. 

___________

https://www.bilderbergmeetings.org/meetings/meeting-2025/press-release-2025

https://www.bilderbergmeetings.org/meetings/meeting-2025/participants-2025

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Sehr bemerkenswert, 

dass man sich seitens der "Chathams"  sogar eine verschwiegene Ex-Weinkönigin leistete, die als "Vertreterin des Verfassungsorgans Deutscher Bundestag und der Gesamtheit seiner Mitglieder" offiziell angereist war. - (Die Reisekosten zahlt natürlich der dt. Steuerzahler.)

Welche Themen auf der Bilderberger Konferenz 2025 in Stockholm waren für Julia Klöckner relevant? (Google KI)

https://www.google.com/search?q=Welche+Themen+auf+der+Bilderberger+Konferenz+2025+in+Stockholm+waren+f%C3%BCr+Julia+Kl%C3%B6ckner+relevant%3F&sca_esv=651164c6481fa95a&udm=50&fbs=ADc_l-YGrpJMQtvjQ6h14rj-dfIrn37ZoAvKM_jki0XSUf6j8VdsdenR_WIfJv2bGlxP9HiFzMIReFfA1GO3jK7impxHwVfdZsyj4bNtYymS9OPKMs2JBG1eDE4bW8yixq4vlXy9vsnCrS0gvKUKEd83vYO4iR0mGLRTcHPwqxcp4S3PV85dcTkRbMPVLbh5sVdie9Swtixp&aep=1&ntc=1&sa=X&ved=2ahUKEwjPr6WajpWSAxXT_rsIHXKZGJ0Q2J8OegQIDRAE&biw=1920&bih=931&dpr=1&aic=0&mstk=AUtExfCOFcMCfDX4heWe59Z4HpHMUm32Vi-QSvfgpeUdcLAu1gG1S7Cr8u_ts0b-xixIqpL-JRBasdDMd69VWWUzWGgdsBLeZIbqFSbKL-DWVimrsOXYMv7ka0KX3UEDuwkbh4YWKFUzh46Iz5ZGeY8BBIxu0H1JPkVnslBMdW0AT6Keesc6MiZh_C0vn6xpLXVYm2Hm_nVETi2sJghNUM3dxdjpzZl-naN0NeUeuMNzv1sApWaQWHm6X7mmkg&csuir=1

+++ Relevante Themen für Julia Klöckner +++

Basierend auf ihrer Teilnahme und parlamentarischen Anfragen waren insbesondere folgende Diskussionspunkte für sie von Bedeutung:

Geopolitische Brennpunkte: Ein wesentlicher Fokus lag auf der Situation im Nahen Osten, insbesondere den Entwicklungen in Israel und Palästina.

Wirtschaft und Künstliche Intelligenz (KI): Wie bei Bilderberg-Treffen üblich, standen die Zukunft der Weltwirtschaft und die rasanten Fortschritte im Bereich der KI auf der Agenda, Themen, die Klöckner auch in ihrer Rolle als Bundestagspräsidentin und Wirtschaftspolitikerin verfolgt.

Internationale Sicherheit: Im Kontext ihrer späteren Reise zur Krim-Plattform in Stockholm im November 2025 waren auch die europäische Sicherheitsarchitektur und die Unterstützung der Ukraine zentrale Hintergrundthemen.

Stärkung der Demokratie: Klöckner betonte im Rahmen der Konferenz und nachfolgender Debatten die Notwendigkeit, sich der gesellschaftlichen Polarisierung zu widersetzen und die Rechtsstaatlichkeit als Fundament der EU zu verteidigen. 

Die Konferenz findet traditionell unter der Chatham-House-Rule statt, weshalb Teilnehmer über die Inhalte, aber nicht über die Identität oder Zugehörigkeit spezifischer Sprecher berichten dürfen. 

________

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/christian-ahrendt/fragen-antworten/41217

..."Als ... Politiker kann ich mich natürlich nicht für solche fragwürdigen Zusammenkünfte aussprechen. Ein demokratisches System ist vor allem durch seine Nähe zum Bürger und durch Transparenz gekennzeichnet. Die Bilderberg-Konferenzen widersprechen beiden Wesensprinzipien eines freiheitlich demokratischen Systems, dass gerade nur weil es diese Werte gibt existieren kann....

Mit freundlichen, liberalen Grüßen
Ihr Christian Ahrendt

KURZUM :

Die Teilnahme seitens Frau MdB Julia Klöckner auf der Bilderberger Konferenz 2025 - als "Vertreterin des Verfassungsorgans Deutscher Bundestag und der Gesamtheit seiner Mitglieder" - "widersprach beiden Wesensprinzipien eines freiheitlich demokratischen Systems, dass gerade nur weil es diese Werte gibt existieren kann" - denn UNSERER demokratisches System ist vor allem durch seine Nähe zum Bürger und durch Transparenz gekennzeichnet.

PS :

...und ich dachte bisher immer, die schöne Ex-Weinkönigin sei nur für Ordnungsrufe vs. die AfD zuständig ... und dabei macht diese Power-Frau seitens der CDU - " insgeheim" - echte Weltpolitik ... nach der Chatham-House-Regel !

...welches dressierte Chatham-House-Äffchen (m/w) hätten`s denn nun gerne, werte Leser ? :

https://www.nachdenkseiten.de/?p=116012

MP

Na, das geht doch offenbar ganz munter zu - auf den lästernden Chatham-House-Parties der schönen Weinkönigin von Seiten der CDU :

https://commons.wikimedia.org/wiki/Jheronimus_Bosch#/media/File:Hieronymus_Bosch_055.jpg

...da freuen sich sicherlich schon alle - von der CDU - auf`s  Wiedersehen am Jüngsten Tag :

https://commons.wikimedia.org/wiki/Jheronimus_Bosch#/media/File:Last_judgement_Bosch.jpg

...und es fing doch so viel versprechend an - für die schöne Weinkönigin der CDU :

https://commons.wikimedia.org/wiki/Jheronimus_Bosch?uselang=de#/media/File:Temptation_of_Saint_Anthony.jpg

...na, wird schon sicherlich janz juut jehen - oder auch nit :

https://commons.wikimedia.org/wiki/Jheronimus_Bosch?uselang=de#/media/File:Jheronimus_Bosch_023.jpg

...tschüss Julia & christliche Grüße an Jörg ! :

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/ff/Bosch-garden-delights-right-pen-paper.jpg

...man sieht sich... :

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Gordito1869&oldid=861481799#/media/File:Familie_von_B%C3%BClow-2.jpg

- jeder & jede am rechten Platze :

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Gordito1869&oldid=861481799#/media/File:Jheronimus_Bosch_Hell_(detail).jpg

...aber eine echte Weinkönigin der CDU hat nichts zu befürchten - so denke ich nicht :

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Gordito1869&oldid=861481799#/media/File:Wahn_Denkmal_2.jpg

MP

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