Die erneuten Eskalationen rund um den Iran-Krieg und die Probleme auf den Energiemärkten bestärken die Golfstaaten in ihrem Bemühen, ihre Wirtschaft breiter aufzustellen und mit eigenen Waffen aufzurüsten.
Golfstaaten wollen mit eigenen Waffen aufrüsten
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE, inklusive Dubai und Abu Dhabi)), Saudi-Arabien und Katar verfolgen verschiedene Strategien zum Aufbau eigener Rüstungskapazitäten. Dies dient nicht nur der Stärkung der nationalen Sicherheit, sondern auch der wirtschaftlichen Diversifizierung weg vom Öl. Die Bemühungen sind individuell ausgeprägt, werden aber durch bilaterale Kooperationen und Joint Ventures ergänzt. Eine vollständig integrierte gemeinsame Rüstungsindustrie der drei Staaten gibt es nicht, doch es existieren konkrete Partnerschaften.
Saudi-Arabien strebt im Rahmen der Vision 2030 an, bis 2030 etwa 50 Prozent seiner Verteidigungsausgaben lokal zu produzieren. Die Saudi Arabian Military Industries (SAMI) treibt als zentrales Unternehmen Joint Ventures mit internationalen Konzernen wie Boeing, Lockheed Martin und anderen voran. Schwerpunkte liegen auf Flugzeugwartung, Drohnen, Schiffbau und Munition. Die Lokalisierungsquote lag Ende 2024 bereits bei rund 25 Prozent und soll weiter steigen.
Die VAE haben mit der EDGE Group einen starken nationalen Champion geschaffen, der zahlreiche Unternehmen bündelt. Das Land hat bereits Erfolge bei der Produktion und sogar beim Export von Drohnen und anderen Systemen erzielt. Die Strategie "Operation 300bn" zielt auf eine umfassende Lokalisierung der Industrie ab.
Auch Katar holt auf: Neue Joint Ventures
Katar, traditionell stärker auf Importe und US-Partnerschaften ausgerichtet, baut seine Kapazitäten ebenfalls aus. Die Barzan Holdings spielen dabei eine zentrale Rolle. Im Januar 2026 kündigten Barzan und die VAE-EDGE Group ein strategisches Joint Venture an. Dies ist das erste dieser Art zwischen den beiden Ländern. Es soll fortschrittliche Verteidigungstechnologien gemeinsam entwickeln und Lücken in den Portfolios schließen.
Sicherheit und Wirtschaft: Das sind die Haupttreiber der Ambitionen
Aktuelle Konflikte, darunter Angriffe im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt 2026, haben die Notwendigkeit robuster eigener Kapazitäten unterstrichen. Die Golfstaaten sahen sich mit Raketen- und Drohnenbedrohungen konfrontiert und suchten teilweise alternative Lieferanten, etwa aus Südkorea, der Ukraine oder Europa. Kooperationen mit der Ukraine umfassen Technologietransfer und Co-Produktion.
Gleichzeitig dienen die Initiativen der Schaffung von Arbeitsplätzen, Technologietransfer und der Stärkung der industriellen Basis. Trotz enger Bindungen an die USA und andere westliche Partner wird Diversifizierung vorangetrieben, um strategische Autonomie zu gewinnen.
Ausländische Ingenieure werden weiterhin gebraucht
Trotz Fortschritten bleiben die Golfstaaten bei hochkomplexen Systemen wie Kampfflugzeugen oder modernen Luftabwehrsystemen auf Importe und ausländische Expertise angewiesen. Der Technologietransfer ist oft mit Offset-Verpflichtungen verbunden, und der Aufbau qualifizierter Fachkräfte erfordert Zeit.
Experten sehen in den bilateralen Schritten, wie dem EDGE-Barzan-Joint-Venture, auch ein Zeichen wachsenden Vertrauens innerhalb des Golfkooperationsrats (GCC) nach früheren Spannungen. Ob daraus eine breitere GCC-weite Rüstungskooperation entsteht, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Bemühungen unterstreichen jedoch den Willen der drei Staaten, ihre Verteidigungsfähigkeiten langfristig eigenständiger zu gestalten.


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