Gute und böse Schulden

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Einführung

Mit Schulden sollte man nur Investitionen finanzieren, keinen Konsum. Gemeint sind Schulden, die sich auszahlen, sich rentieren, rentabel sind, die Erträge abwerfen oder mit denen langfristiger Gebrauchsnutzen entsteht: durch das Bilden von Sachkapital, also den Bau und Erhalt von Straßen, Brücken, Schienennetz, Schulgebäuden, sonstiger Infrastruktur und von Wohneigentum.

Es kommt darauf an, wofür der Staat seine Kreditaufnahmen ausgibt – Schulden können zusätzliche Freiräume schaffen – oder auch nicht – Deutschlands ausgewiesene Staatsverschuldung schon 2,7 Billionen Euro – Dazu kommen 16,8 Billionen Euro unsichtbar gemachte Verschuldung – Für die unsichtbaren Schulden müsste der Staat Rückstellungen bilden, tut er aber nicht – Die nicht ausgewiesenen Staatsschulden sichtbar machen – Der zentrale Konstruktionsfehler der deutschen Haushaltspolitik – Die Schuldenquote ist ökonomisch aussagekräftiger – Die Schuldenquote im Vertrag von Maastricht 1992 – Die Tragfähigkeit von Verschuldung und die Schuldenfalle. Der Warnruf des Bundesrechnungshofes – Eine Schuldenfalle, aus der das Entkommen immer schwieriger wird – Eine „akute Gefahr für die Stabilität der Bundesfinanzen“: die Bereichsausnahmen und Sondervermögen – Die Verschuldung des Bundes droht schneller zu steigen als das Bruttoinlandsprodukt

Mit Schulden sollte man nur Investitionen finanzieren, keinen Konsum. Gemeint sind Schulden, die sich auszahlen, sich rentieren, rentabel sind, die Erträge abwerfen oder mit denen langfristiger Gebrauchsnutzen entsteht: durch das Bilden von Sachkapital, also den Bau und Erhalt von Straßen, Brücken, Schienennetz, Schulgebäuden, sonstiger Infrastruktur und von Wohneigentum. Aufrüstung, um Krieg zu führen, gehört nicht dazu, erst recht nicht die Kriegsunterstützung für die Ukraine, sie sind Fehlinvestitionen, aber Rüstung für die eigene Verteidigung können sinnvolle Investitionen durchaus sein. Schulden sind nicht dafür da, verfrühstückt zu werden, sondern um Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, um dauerhafte (oder zumindest langfristig bestehende) Vermögenswerte aufzubauen und die Zukunft sichern zu helfen.

Während sich die soliden Bürger zur eigenen Sicherheit an diese Grundsätze halten, tut es der Staat in zu vielen Fällen nicht. Er verschuldet sich auch, um Ideologien (Ideenlehren) zu päppeln und durchzusetzen sowie Wählergruppen bei Wahllaune zu halten und so die Posten seiner Führungstruppe abzusichern. Schuldenmachen ist üblicherweise einfacher, als Staatsausgaben zu streichen, was sofort auf Proteste der Streichungsopfer stößt. Auf diese Weise hat der deutsche Staat einen riesigen Schuldenberg aufgetürmt und die Schuldenbremse so gut wie ausgehebelt.

Deutsche ausgewiesene Staatsverschuldung schon 2,7 Billionen Euro 

Am Jahresende 2025 belief sich die deutsche Staatsverschuldung1) auf über 2,661 Billionen Euro. Davon entfielen auf den Bund gerundet 69 Prozent, auf die Bundesländer 24 und auf die Gemeinden samt Sozialversicherung 7 Prozent. Am Ende des ersten Quartals 2026 sind aus den 2,661 Billionen 2,726 Billionen geworden. Für das zweite und dritte Quartal liegen die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) noch nicht vor. Die Marke von 2 Billionen hat Deutschlands gesamte ausgewiesene Staatsverschuldung erstmals schon 2010 überschritten, also vor sechzehn Jahren. Damals mit dem Stand vom 31. Dezember 2010 waren es 2,011 Billionen. (Quelle hier).

Dazu kommen 16,8 Billionen Euro unsichtbar gemachte Verschuldung

Doch sind dies nur die offen ausgewiesenen, die „expliziten“ Schulden, hinzukommen die „impliziten“. Der größte Teil der Staatsschulden sind nämlich in den 2,661 und 2,726 Billionen Euro gar nicht enthalten. Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen (Universität Freiburg) und seine Mitautoren haben für die Stiftung Marktwirtschaft in ihrem Update 2025 der Generationenbilanz eine gesamte deutsche Staatsverschuldung aus expliziten und impliziten Schulden von 19,5 Billionen Euro errechnet.2) Implizite Schulden seien davon rund 16,8 Billionen. Es sind unsichtbar gemachte Schulden. Schuldenbremse und Maastricht-Kriterien klammern implizite Schulden vollständig aus: Pensionszusagen, Rentenansprüche und Pflegelasten tauchen in keiner offiziellen Schuldenstatistik auf.

Für die unsichtbaren Schulden müsste der Staat Rückstellungen bilden, tut er aber nicht

Diese unsichtbaren Schulden sind also mehr als sechsmal so hoch wie die ausgewiesenen. Sie stellen die Verpflichtungen aus zukünftigen Haushaltsdefiziten dar, von Ökonomen als Nachhaltigkeitslücke bezeichnet. Die Lücke gibt an, welche Rückstellungen der Staat bilden müsste, um die langfristigen Leistungsversprechen etwa bei der Rente, den Pensionen, im Gesundheitswesen oder in der Pflege zu erfüllen, ohne die Steuern und Abgaben zu erhöhen. Oder anders formuliert: Welchen Betrag müsste der Staat heute zur Seite legen, damit er alle künftigen Verpflichtungen ohne Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen erfüllen kann? Die Differenz zwischen diesem Betrag und dem tatsächlich vorhandenen Vermögen ist die Nachhaltigkeitslücke als Kern der impliziten Staatsschuld. Rückstellungen als Finanzreserven bildet der Staat also nicht. Die jeweiligen Ausgaben bezahlt er mit dem, was er (einschließlich der aufgenommenen Kredite) einnimmt, er lebt also von der Hand in den Mund.

So sind die impliziten staatlichen Schulden definiert

Die Web-Seite „Staatsverschuldung“ (hier) beschreibt die implizite Staatsverschuldung als „alle künftigen Zahlungsverpflichtungen des Staates, die keine Schuld in der Bilanz darstellen, aber durch Gesetze und demografische Entwicklungen bereits so gut wie festgeschrieben sind“. Dazu zählten vor allem Rentenansprüche aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung, Pensionsansprüche von Beamtinnen und Beamten, Beihilfezusagen sowie die absehbaren Mehrausgaben in der Kranken- und Pflegeversicherung. Der entscheidende Unterschied zur expliziten Verschuldung sei: „Staatsanleihen, Kassenkredite und Bürgschaften sind vertraglich fixiert und werden in der amtlichen Schuldenstatistik nach Maastricht-Kriterien (ESVG 2010) erfasst. Implizite Verpflichtungen dagegen entstehen aus Gesetzen und demographischen Tatsachen – sie sind nicht weniger real, aber statistisch unsichtbar.“ Weitere Einzelheiten zu den impliziten Schulden ebenfalls auf dieser Web-Seite.

Die nicht ausgewiesenen Staatsschulden sichtbar machen

Der Staat hat also Schulden, die er ausweist (explizite Schulden), und Schulden, die er nicht ausweist (implizite Schulden). Die nicht ausgewiesenen Staatsschulden sind sichtbar zu machen. Jeder Kaufmann, jedes Unternehmen ist gesetzlich verpflichtet, für Zahlungsverpflichtungen, die in der Zukunft fällig werden, Rückstellungen zu bilden und diese in der Bilanz auszuweisen, er macht sich anderenfalls strafbar. Auch für die Pensionsversprechen an ihre Mitarbeiter tun sie das. Der Staat mit seinen Politikern, von dessen Finanzgebaren Wohl und Weh aller Bürger abhängt, tut dies nicht. Gerade die implizite Staatsschuld ist offen zu benennen. Dazu gehört, dass die Bürger ihre Ansprüche an den Staat zurücknehmen und wieder zu mehr Eigenverantwortung und mehr Freiheit in den persönlichen Lebensverhältnissen zurückkehren. Aber ihre Bereitschaft dafür ist alles andere als groß. Oder brutal gesagt: Sie ist null.

Der zentrale Konstruktionsfehler der deutschen Haushaltspolitik

Wie schon erwähnt, klammern die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse (Art. 109 und 115 GG) sowie die Maastricht-Kriterien implizite Schulden vollständig aus. Das sei, so ist auf staatsverschuldung.de zu lesen, kein Versehen, sondern Systemlogik: „Beide Regelwerke wurden entwickelt, um die laufende Kreditaufnahme zu begrenzen, nicht um künftige Lastverschiebungen zu erfassen. Das Ergebnis: Politiker können offizielle Schulden senken, reale Lasten erhöhen – ganz legal, durch Rentenpaket-Beschlüsse statt durch Anleiheemissionen.“ Das sei der zentrale Konstruktionsfehler der deutschen Haushaltspolitik. Die Schuldenbremse schütze vor kurzfristiger Defizitfinanzierung, aber nicht vor der schleichenden Ausdehnung des Sozialstaats auf Kosten künftiger Generationen.

Der Unterschied zwischen impliziter und verdeckter Staatsverschuldung

Der Autor von staatsverschuldung.de macht auch auf den Unterschied zwischen impliziter und verdeckter Staatsverschuldung aufmerksam. Beide zu verwechseln, sei in der Berichterstattung ein weit verbreiteter Fehler. Entscheidend sei die Unterscheidung, weil sie die Debatte um Sondervermögen und Haushaltspolitik häufig verwirre: „Sondervermögen wie der frühere Klima- und Transformationsfonds (KTF) oder das Sondervermögen Bundeswehr sind kreditfinanziert und ausgelagert – aber sie stellen explizite, vertraglich fixierte Schulden dar. Sie fehlen in der Kernhaushaltsstatistik, nicht jedoch in der Gesamtschuldenrechnung nach Maastricht. Es handelt sich um verdeckte Schulden, nicht um implizite.“ (Der Unterschied zwischen Sondervermögen und regulären Haushaltspositionen ist hier erklärt, und wer wissen möchte, warum solche Konstruktionen die Schuldenbremse umgehen können, findet dazu mehr Hintergrund hier).

Die Schuldenquote – sie ist ökonomisch aussagekräftiger

Rund 2,7 Billionen Euro explizite Schulden? Und dann noch die sechsmal so hohen impliziten obendrauf? Galt Deutschland bisher nicht immer als finanziell solider Staat? Mit höchster Bonität, höchster Einstufung (Rating)? Gewiss, 2,7 Billionen sind ein erschreckend hoher Betrag – zunächst. Denn ob Schulden für den Staat tragbar sind, ob er sie sich leisten kann, hängt davon ab, wie stark des Landes Wirtschaftskraft ist, ausgedrückt in seinem Bruttoinlandsprodukt, abgekürzt BIP, und ob sie wächst. Deshalb wird seine Verschuldung zum BIP ins Verhältnis gesetzt und für die mögliche Verschuldungshöhe als Maßstab verwendet – allerdings nur die explizite Verschuldung, die implizite bleibt immer unbeachtet. Diese Relation zwischen Verschuldung und Wirtschaftsleistung heißt Schuldenquote und ist aussagekräftiger. Einfaches Beispiel: Für einen Mini-Jobber sind 10.000 Euro Schulden schwer, wenn überhaupt, zu begleichen, wer dagegen monatlich 20.000 oder mehr verdient, hat mit der Tilgung prinzipiell kein Problem. Die Schuldenquote erleichtert es auch, die Verschuldung und Bonität verschiedener Staaten nach diesem einheitlichen Maßstab zu vergleichen.

Die Schuldenquote im Vertrag von Maastricht 1992

Eine wichtige Rolle ist der Schuldenquote im Vertrag von Maastricht 1992 zugewiesen. Offiziell heißt er „Vertrag über die Europäische Union“, ist in Kraft seit 1. November 1993 und enthält den Beschluss zur gemeinsamen Euro-Währung vom 1. Januar 1999 an. Der tägliche Zahlungsverkehr mit Banknoten und Münzen in Euro folgte am 1. Januar 2002. Um sicherzustellen, dass die Euro-Mitgliedstaaten wirtschaftlich stabil genug sind, um die gemeinsame Währung einzuführen und sie nicht zu einer Weichwährung verkommen zu lassen, müssen die Euro-Staaten eine Reihe wirtschaftlicher Bedingungen erfüllen, die sogenannten Konvergenzkriterien. Diese Kriterien betreffen Inflation, Haushaltsdefizit, Staatsschulden und Wechselkursstabilität. 

Die Schuldenquote soll 60 Prozent des BIP nicht überschreiten. Das tut sie aber längst

Eines davon ist die Schuldenquote. Sie soll 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten. Das tut sie aber längst, teils von Anfang an. Auch in Deutschland liegt sie schon seit Jahren darüber. Ende März 2026 betrug sie laut Eurostat (hier) rund 64 Prozent. Aber im Vergleich mit anderen EU-Staaten wie Griechenland (gerundet 143 Prozent), Italien (139), Frankreich (118) und Spanien (102) kann Deutschland formal noch als solide gelten. Aber andere EU-Länder glänzen mit deutlichen geringeren Schuldenquoten, darunter Estland mit 25 Prozent, Dänemark mit 27, Bulgarien 28, Luxemburg 29, Schweden 35 und Irland mit 37 Prozent. Aber die 60 Prozent sind nur

ein EU-Referenzwert und kein Kreditdeckel, der weitere Verschuldung automatisch ausschließt. Sie dienen beim Überschreiten mehr als Warnung, sie funktionieren nicht wie ein Kreditkartenlimit. EU-Länder können darüber liegen, wenn ihre Schulden glaubwürdig sinken. Im globalen Schuldenvergleich liegt Deutschland im Mittelfeld.

Die Tragfähigkeit von Verschuldung und die Schuldenfalle. Der Warnruf des Bundesrechnungshofes

Schulden müssen auch tragfähig sein. Der Staat muss den Schuldendienst leisten können, also die fälligen Zinszahlungen und Tilgungen aufbringen können. Kann er das nicht mehr, sitzt er in der Schuldenfalle.3) In einem Brief an den Haushaltsausschuss des Bundestages in der ersten September-Woche hat der Bundesrechnungshof vor einer „Schuldenfalle“ gewarnt.4) Laut Finanzplanungen würden die Schulden des Bundes bis 2030 auf 3 Billionen Euro zunehmen. Ende 2020 habe der Schuldenstand des Bundes 1,5 Billionen Euro betragen. Allein in der laufenden Legislaturperiode (2026 bis 2030) wäre das ein Zuwachs von fast 1 Billion. Zum Ende der Periode würden die Einnahmen des Bundes, wie aus den Projektionen hervorgehe, gerade noch ausreichen, um die Sozialausgaben, den Verteidigungs-Etat sowie die Zinsverpflichtungen für die Schuldenlast zu finanzieren. Der Schuldendienst werde 2030 nach den Planungen des Bundesfinanzministeriums rund 80 Milliarden Euro betragen. Das wäre eine Verdopplung zu dem, was für 2027 erwartet werde. Bei den derzeit steigenden Zinsen könnten das noch mehr als 80 Milliarden werden.

Eine Schuldenfalle, aus der das Entkommen immer schwieriger wird

Der Anteil der Zinsausgaben am Gesamthaushalt verdoppelt sich nach Darstellung des Rechnungshofes von aktuell 5,8 Prozent auf 12,7 Prozent im Jahr 2030. Angesichts der unlimitierten Bereichsausnahme und des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität dürften die Zinslasten nach dem Jahr 2030 weiter steigen. „Dann wird es noch schwerer, die nach 2033 verschobenen Tilgungsverpflichtungen zu bedienen.“ So drohe ein Teufelskreis. Steigende Zinsausgaben führten zu dem Reflex, fehlende Handlungsräume im Haushalt durch weitere Kreditaufnahmen zurückzugewinnen. „Im Ergebnis befindet sich der Bund weiter auf dem Weg in eine Schuldenfalle, aus der das Entkommen immer schwieriger wird.“

Eine „akute Gefahr für die Stabilität der Bundesfinanzen“: die Bereichsausnahmen und Sondervermögen

Als Treiber für diese Entwicklung sieht der Rechnungshof die unbegrenzte Bereichsausnahme für sicherheitspolitische Ausgaben, also Rüstungszwecke, und die von der Schuldenregel ausgenommenen Sondervermögen. Beide Ausnahmen hat der schon abgewählte, aber noch amtierende Bundestag kurz nach der jüngsten Bundestagswahl mit einer Änderung des Grundgesetzes eingeführt. Mit Sorge sieht der Rechnungshof, dass die Nutzung dieser außergewöhnlichen Instrumente zum Regelfall wird. Ihre übermäßige Nutzung bedeutet nach seiner Auffassung eine „akute Gefahr für die Stabilität der Bundesfinanzen“. Er bemängelt, dass eine nachhaltige Konsolidierung der Bundesfinanzen derzeit nicht erkennbar ist. Stattdessen werde die Kreditaufnahme weiter ausgeweitet. Klassische Kernaufgaben des Bundes würden über Kredite finanziert. Gleichzeitig würden steigende Zinsausgaben die finanziellen Spielräume des Staates zunehmend einschränken.

Die Verschuldung des Bundes droht schneller zu steigen als das Bruttoinlandsprodukt

Eine Rückkehr zu einer wirksamen Schuldenregel hält der Rechnungshof für zwingend geboten. Wirksam begrenze sie die Neuverschuldung nicht mehr. Wenn man den Bundeshaushalt und die Sondervermögen für die Bundeswehr und die Investitionen zusammen betrachte, würden rund 32 Prozent der erwarteten Ausgaben mit Krediten finanziert. „Damit ist jeder dritte Euro, den der Bund ausgibt, kreditfinanziert“, hält der Rechnungshof dem Haushaltsausschuss vor. „Wer sich ein Drittel seiner Ausgaben nur auf Kredit leisten kann, lebt offenkundig über seine Verhältnisse.“ Er rechnet damit, dass die Verschuldung des Bundes schneller steigen wird als das Bruttoinlandsprodukt. „Damit wird absehbar auch die Schuldenquote deutlich anwachsen.“ Eine Neuverschuldung von 200 Milliarden Euro jährlich sei nicht die Obergrenze. Würden noch höhere und/oder weitere Ausgaben der Bereichsausnahme zugeordnet, könne die Nettokreditaufnahme noch darüber hinausgehen.

Die Zinslast frisst jeden Spielraum im Haushalt auf. „So kann es nicht weitergehen.“

Die FAZ kommentiert: „Das Ifo-Institut beschreibt in einer aktuellen Studie, wie die neue Ausnahme für Verteidigung genutzt wird, um andere Ausgaben mit Krediten jenseits der Schuldenbremse zu finanzieren. Damit nicht genug, dehnt Klingbeil die neuen Regeln immer weiter aus. Das Ergebnis ist eine Nettokreditaufnahme von rund 200 Milliarden Euro im Jahr. Das und die im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt gekippte Lage am Kapitalmarkt führen dazu, dass die Zinslast jeden Spielraum im Haushalt auffrisst. So kann es nicht weitergehen.“ (FAZ vom 10. September, Seite 15).

Es kommt darauf an, wofür der Staat seine Kreditaufnahmen ausgibt

Stefan Schöncke, Chefvolkswirt der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) konstatiert: „Schulden können aus Sicht des Staates ökonomisch sinnvoll sein. Das gilt z.B., wenn man mit ihnen Investitionen tätigt, die das Potenzialwachstum der Volkswirtschaft heben – und zwar so stark, dass sich die Einnahmen in Zukunft stärker erhöhen als für die Rückzahlung von Schulden (plus Zinsen) nötig ist. Wenn man die aktuelle Finanzpolitik der Bundesregierung betrachtet, gilt genau das leider nicht.“ (INSM-Wochenmarkt, Zahl der Woche: 3 Billionen). Die Antwort auf die Frage, ob eine hohe Staatsverschuldung von Vorteil oder von Nachteil ist, lautet also: Es kommt darauf an, ob der Staat die Schulden verpulvert für konsumtive Ausgaben oder mit ihnen nachhaltige Investitionen finanziert, die des Landes Zukunft dienen.

Schulden können zusätzliche Freiräume schaffen – oder auch nicht 

Schulden also sind nicht per se schlecht, es gibt gute und böse. Aber wer ohne Schulden zurechtkommt, hat mehr Freiheit – jedenfalls auf den ersten Blick; es kann, muss aber nicht so sein. Wer Schulden investiv verwendet und nicht konsumtiv, kann sich mit dem Ergebnis zusätzliche Freiräume schaffen. Wer ein Eigenheim auch mit Kredit baut oder kauft, wohnt nicht mehr zur Miete, ist nicht mehr abhängig von einem Vermieter, muss sich nicht mehr sorgen, gekündigt zu werden. Der Staat, der sein Verkehrsnetz ausbaut oder wieder auf Vordermann bringt, schafft sich Freiraum für wirtschaftliches Wachstum.

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1) „Zum Öffentlichen Gesamthaushalt zählen die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Gemeindeverbänden sowie der Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte. Zum nicht-öffentlichen Bereich gehören Kreditinstitute sowie der sonstige inländische und ausländische Bereich, zum Beispiel private Unternehmen im In- und Ausland.“ hier 

2) Bernd Raffelhüschen, Sebastian Schultis, Stefan Seuffert und Sebastian Stramka. Ehrbarer Staat? Update 2025 der Generationenbilanz Sozialstaatsexpansion, Schuldenanstieg. Argumente zu Marktwirtschaft und Politik Nr. 183 (siehe hier). Die Generationenbilanz der Stiftung Marktwirtschaft ist zur Messung der impliziten Staatsschuld in Deutschland das wichtigste wissenschaftliche Instrument.

3) Definitionen aus dem Internet: „Ein Staat ist dann in der Schuldenfalle, wenn seine Gesamtschulden so hoch bzw. so stark angestiegen sind, dass zur Finanzierung der daraus erwachsenden Zinsverpflichtung seine jährliche Nettoneuverschuldung erhöht werden muss wenn die Nichtzinsausgaben (z. B. Investitionen, Personalausgaben, Sozialleistungen nicht gekürzt werden können oder sollen. Dieser Zustand ist i.d.R. dann erreicht, wenn die jährliche Zuwachsrate des Steueraufkommens längerfristig unter dem Zinssatz liegt, mit dem die staatliche Gesamtverschuldung zu bedienen ist (Staatsverschuldung).“

Oder kürzer: „Wer in der Schuldenfalle sitzt, hat so hohe Schulden, dass diese aus eigener Kraft nicht mehr beglichen werden können. Durch langfristige Verbindlichkeiten wie Verträge sowie Zinsen wächst der Schuldenberg immer weiter an und kann mit den monatlichen Einnahmen nicht getilgt werden.“

Oder ganz kurz: „Eine Schuldenfalle ist, wenn man fällige Rechnungen und Kreditraten nicht mehr zahlt und die Schulden durch Zinsen immer größer werden.“

4) Der Bericht an den Haushaltsausschuss ist öffentlich noch nicht verfügbar. Wer danach sucht, stößt auf diesen Hinweis des Bundesrechnungshofes: „Bei Beratungsberichten an den Bundestag müssen wir immer erst die abschließende Beratung im Parlament abwarten.“ Meine Darstellung stützt sich daher auf den FAZ-Bericht vom 5.September, Seite 17.

Sven von Storch

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Blog-Kommentare

"Gute Schulden" sind doch auch diejenigen, die unsere(?) Regierung macht, um Immigranten ein besseres Leben zu bieten, das Weltklima zu retten, Europa durch unsere Rüstung zu schützen und die EU zu finanzieren, viel zu teure Energie zu kaufen um Russland zu strafen oder den Krieg der Ukraine am Laufen zu halten.

So verstehe ich jedenfalls unsere(?) Regierung und unsere(?) Medien. Und die sind doch unabhängig - oder?

Und wenn wir überschuldet sind, werden uns bestimmt die US-Globalisten "übernehmen" und dann sind wir zwar besitzlos, aber wir haben glücklich zu sein.

Also: don't worry, be happy! Und wähle weiter die Knechte der Fremdherrschaft!

Es sollten reale Zahlen (% vom BIP, usw.) verwendet werden. Angaben in Euro sind immer abhängig von der betreffenden Volkswirtschaft. 40 Mrd. Euro sind wenig für Deutschland (2025 BIP 4.469,91 Mrd. Euro) aber viel mehr für Österreich (2025 BIP 512,81 Mrd. Euro).

 

Und „implizite“ Schulden wie von Raffelhüschen erwähnt machen wenig Sinn, da in der Zukunft nicht nur Ausgaben sondern auch Einnahmen für einen Staat anfallen. Und wenn der Staat hierfür Ersparnisse bilden würde, würde er gleichzeitig der Volkswirtschaft Nachfrage entziehen. Die Menschen hätten ja schließlich weniger Geld um Güter und folglich andere Leute Arbeit nachzufragen.

 

Der Staat und dessen Haushaltsüberschuss oder -defizit existieren nicht in einem Vakuum. Es hängt davon ab ob wie die Wirtschaft ausgelastet ist und wie sich die übrigen Sektoren verhalten. Schließlich muss nicht der Staat entscheiden worin investiert wird, auch der private Sektor investiert bei steigender Nachfrage in mehr und/ oder bessere Produktionskapazitäten. Die privaten Haushalte sparen eigentlich immer und entziehen damit der Volkswirtschaft Nachfrage. Die Unternehmen sind in den meisten westlichen Ländern von netto Schuldnern zum netto Sparern geworden. Und im Falle von Deutschland müsste der Staat den fallenden aber immer noch positiven Außenhandelsüberschuss kompensieren oder eine Verringerung der Nachfrage akzeptieren.

 

Die Quoten für Neuverschuldung (3%) und Staatsschuldenquote (60%) sind dagegen rein willkürlich. Es wird völlig vernachlässigt wie sehr die Volkswirtschaft ausgelastet ist, wie sich die übrigen Sektoren verhalten, wie viel Zinsen vom Staat zu zahlen sind und wie viele ohne Zinskosten von der Zentralbank gehalten werden. Die Quoten sind Kennzahlen und keine Ziele um ihrer selbst willen.

 

https://einfache-standards.blogspot.com/p/dossier-euro-en.html

https://outsidemoney1.substack.com/p/es-war-schon-spat-die-ungeheure-entstehungsgesch

https://en.wikipedia.org/wiki/Guy_Abeille

Friedrich der Große hat es gezeigt. Die Ansicht das der Staat der Wirtschaft mit Sparsamkeit Geld entzieht ist falsch. Denn er kann Steuern senken und letztendlich hat der Bürger sogar mehr. Eine Regierung muß sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, daß jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, daß er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muß.

Friedrich II., der Große (1712 - 1786), preußischer König, »Der alte Fritz«

Ääämm ..die bösen Schulden waren  doch die Gelder für Putin ..? Und die guten Billionen die Sonderbarvermögen, doch alle Gelder für S´Elend-ski  ? Oder . . ?

 Und dann gibts da noch die Nutznießer :https://youtube.com/shorts/LaNxWhpYLc8?si=u0nMh7xsj5GBY8_4      und noch die Coronanießer ! https://youtu.be/yX-mH1Usf3U?     . . . (Tiger im Tank ? Oder Impftiger ?https://youtube.com/shorts/EVu-FROS9Vc?si=6W-NcXmTN9v4MHCJ

Und weil das Geld soo böse ist ,muss es unbedingt abgeschafft werden !https://youtube.com/shorts/ACHlXvvFqFM?si=84_C-EAL3Z0HIC_4   . . .,denn wir haben doch Engel in den Regierungen . . . ,und sie alle wollen nur Dein Bestes  ?

Matth.4:8-9 Schließlich führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer ganzen Pracht. 9 »Das alles gebe ich dir, wenn du vor mir niederfällst und mich anbetest«, sagte er. 10

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