Ich bin für das Schweizer Rentensystem

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Einführung

Können wir nicht von der Schweiz lernen, anstatt uns von Friedrich Merz ein System vor die Nase setzen zu lassen? In der Schweiz muss niemand Angst vor Altersarmut haben. Aber jeder kann auch privat sein Lebensstandard absichern lassen: eine perfekte Mischung aus Solidarität und Eigenverantwortung.

Die Schweiz hat eines der stabilsten Rentensysteme der Welt. Es ruht auf dem berühmten Drei-Säulen-Prinzip, das staatliche, berufliche und private Vorsorge clever kombiniert. Es ist das Beste aus der Welt des Sozialstaates gepaart mit dem Besten aus der Welt der privaten Vorsorge. 

So soll im Ruhestand der Grundbedarf gedeckt sein, der gewohnte Lebensstandard weitgehend erhalten bleiben und jeder individuell nachbessern können.

Säule 1: Die staatliche AHV – das sichere Fundament

Jeder in der Schweiz zahlt ein (Arbeitnehmer, Beamte, Selbständige), und jeder bekommt später eine Altersrente aus der AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung). 

Sie soll das Existenzminimum sichern. Im Jahr 2026 liegt die monatliche Rente für Alleinstehende zwischen 1 260 und 2 520 Franken – je nachdem, wie lange und wie hoch man eingezahlt hat. Bei Ehepaaren kann sie bis zu 3 780 Franken betragen. Neu gibt es ab Dezember 2026 erstmals die 13. AHV-Rente: eine zusätzliche Monatsrente im Dezember, die die Kaufkraft ein wenig stärkt. Am Ende muss sich niemand vor Altersarmut fürchten: Es sorgen alle für alle.

Säule 2: Die berufliche Vorsorge (BVG/Pensionskasse) – für den gewohnten Standard

Wer angestellt ist und über einem bestimmten Mindestlohn verdient, zahlt automatisch in die Pensionskasse ein – meist halb der Arbeitnehmer, halb der Arbeitgeber. Das angesparte Geld wird verzinst und später in eine Rente umgewandelt. Ziel: Zusammen mit der AHV etwa 60 Prozent des letzten Lohns zu erreichen. Der gesetzliche Umwandlungssatz liegt 2026 weiter bei 6,8 Prozent. Das normale Rentenalter beträgt 65 Jahre (für alle ab etwa 2029 einheitlich).

Säule 3: Die private Vorsorge – der persönliche Weg, um den Lebensstandard zu halten

Hier spart jeder freiwillig selbst dazu, vor allem steuerbegünstigt über die Säule 3a (gebundene Vorsorge). 2026 darf man maximal 7 258 Franken pro Jahr einzahlen (wenn man in einer Pensionskasse ist) – das senkt die Steuern deutlich. Wer keine Pensionskasse hat (z. B. Selbstständige), kann bis zu 36 288 Franken sparen. Die freie Säule 3b hat keine Grenzen und ist flexibel, bringt aber keine Steuervorteile beim Einzahlen.

Perfekte Mischung aus Solidarität und Eigenverantwortung

Kurz gesagt: Die erste Säule schützt vor Armut, die zweite hält den Lebensstandard, und die dritte schließt Lücken – je mehr man privat spart, desto komfortabler wird der Ruhestand. Ein bewährtes Modell, das vielen Schweizerinnen und Schweizern finanzielle Gelassenheit im Alter ermöglicht.

Wäre das nicht auch etwas für Deutschland?

Ich finde schon. Aber das ist meine persönliche Meinung. Was meinen Sie? Besser als Merz'ens Vorschläge ist es allemal.

Sven von Storch

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Blog comments

Natürlich wäre das auch gut für Deutschland!

Vor allem, daß auch Beamte und Sebstständige in eine Grundsicherung einzahlen müssen. Wobei das Gleiche für die Krankenversicherung gelten sollte.

Zumindest das von Anfang an so zu regeln, wäre auch verdammt naheliegend gewesen. Aber je länger ein suboptimales System praktiziert wurde, desto schwieriger ist es zu reformiern.

Und außerdem sind unsere(?) von Deutschlandabschaffern gelenkten Regierungen sowieso nicht beauftragt, etwas Gutes für unser Land zu veranlassen.

In der Schweiz gibt es auch keine ätzenden "Stadtbild-Debatten", da Schweizer Bürger weder Pfandflaschen sammeln - noch Omas & Mädchen im Dunkeln verstecken ... noch öffentlich betteln müssen :

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Bekommen in der Schweiz Bürger relativ viel Geld, damit niemand öffentlich betteln muss? (Google KI)

In der Schweiz ist das System so aufgebaut, dass theoretisch niemand aus materieller Not betteln muss, da das soziale Netz eine Existenzsicherung garantiert. Dennoch ist die Realität komplexer: 

Sozialhilfe als Sicherheitsnetz: Schweizer Bürger sowie Personen mit festem Wohnsitz und Aufenthaltsbewilligung haben Anspruch auf Sozialhilfe, wenn sie ihre Notlage nicht selbst beheben können. Diese deckt den Grundbedarf, die Miete und die Krankenkasse ab.

Keine Notwendigkeit zum Betteln: Offiziell gilt das Prinzip, dass aufgrund der staatlichen Unterstützung keine Notwendigkeit besteht, auf der Strasse um Geld zu bitten.

Bettelverbote: Viele Kantone und Städte haben Bettelverbote erlassen, die jedoch rechtlich umstritten sind. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschied, dass ein absolutes Bettelverbot gegen die Menschenrechte verstoßen kann.

Wer trotzdem bettelt: In Schweizer Städten sieht man dennoch Bettelnde. Oft handelt es sich dabei um Personen aus dem Ausland (häufig aus Osteuropa), die keinen Anspruch auf Schweizer Sozialhilfe haben oder sich nur kurzzeitig legal im Land aufhalten. Auch Menschen mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen fallen teils durch das Raster der regulären Hilfe. 

Möchten Sie mehr über die konkrete Höhe des Sozialhilfe-Grundbedarfs in einzelnen Kantonen erfahren?

KI-Antworten können Fehler enthalten. Weitere Informationen

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...neulich - in Köln am Rhein, der Weltstadt mit Drogen für ALLE - bezahlt von der Grundsteuer der anständigen Bürger !  :

 https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Westiepoo?uselang=de#/media/File:Bettelnder_Westiepoo.jpg

https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-demonstration-gegen-plaene-der-stadt-koeln-zum-suchthilfezentrum-100.html

...Mütter, holt die Kinder rein ! : Crack- & Heroin Junkies haben heute ihren "Tag der offenen Hose" ... und jede Nadel sitzt perfekt ! :

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/koeln-infoveranstaltung-plaene-suchthilfezentrum-protest-video-100.html

https://www.ksta.de/koeln/hoehere-grundsteuer-koelner-cdu-kassiert-ihr-wahlversprechen-ein-1169121

OB Torsten Burmester (SPD) will die Grundsteuer anheben. Das Argument: Damit sollen die Probleme am Drogen-Hotspot Neumarkt gelöst werden.

MP

Hans-Peter Klein

04.02.2026 | 12:47

Das sehe ich genau so.
Ihre aufgelisteten 3 Säulen beschreiben das schweizer System ziemlich gut.
Was fehlt ist allerdings die 4. Säule, ohne die das schweizer System nicht funktioneren würde :
Das allgmein anerkannte Leistungsprinzip.

In der Schweiz gehört es zum allgemein anerkannten guten Ton, das Jeder aufgefordert ist, zuerst einmal Eigenverantwortung und  Eigenititiative zu entwickeln bevor er zum Sozialamt läuft. 
Das gilt auch für die einzelnen Kantone, die zunächst einmal selbst für ihre eigenen Finanzen verantwortlich sind, die Solidargemeinschaft des Bundes springt erst ein, wenn es ans Existenzielle geht.
Das ist praktiziertes Subsidiaritäts-Prinzip und Gut so.

Bevor ich nun die Schweiz weiter in den Himmel lobe weise ich noch auf einen gravierenden Mentalitäts-Unterschied zwischen Schweizern und Deutschen hin.

Nach  Geld und  Reichtum zu streben gilt in der Schweiz als Tugend. Dazu gehört auch, diesen öffentlich zu zeigen. Es ist dort ein sozialer Bewertungsmaßstab, je mehr, je höher in der sozialen Hierarchie.

Ebenso hat die Schweiz ihr ganz eigenes Verständnis von "Neutralität". Dazu gehört, in einer Krise zwischen verfeindeten Gruppen beide Seiten zu bedienen, somit an beiden zu verdienen, getreu dem Motto: Geld stinkt nicht.

Von anderen lernen: Ja. 
Aber wir Deutschen sollten uns stets auf unsere ureigenen Wurzeln besinnen und aus diese heraus unsere eigenen Lösungen entwickeln.

MfG, HPK

Das Problem bei der ganzen Debatte ist doch nicht die Frage der Gliederung des Vorsorge-Aufbaus, sondern die Frage, wie ein umlagefinanziertes System an den demographischen Wandel angepasst werden kann.

Und die Lösung liegt eigentlich auf der Hand, ist nur politisch nicht umsetzbar:

Die eigentliche Frage ist doch, wie die Rente der Boomer Generation finanziert werden soll, die im Durchschnitt zu wenige Nachkommen produziert hat und die in der Breite die Gelegenheit hatte auf Basis ihres Einkommens ein Vermögen anzusparen, von dem zukünftige Generationen nur werden träumen können.

Also wer hat das Problem verursacht und wo kann das Geld herkomnen???

Dummerweise stellen aber die Boomer-Rentner auch die meisten Wähler...

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