Verhältnis von Superreichen zur Mittelschicht wie vor dem Ersten Weltkrieg

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Einführung

Die Superreichen werden immer reicher, die Mittelschicht schrumpft. In Europa und vor allem Nordamerika werden Zustände erreicht wie zuletzt vor dem Ersten Weltkrieg.

Nordamerika, Australien und Europa sind Verhältnisse entstanden, die man in diesem Ausmaß nur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg kannte. Besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika wird dies deutlich.

Vor dem ersten Weltkrieg waren es vor allem amerikanische Industrielle und Banker

Um 1900 herum, gegen Ende der Gilded Age, waren die reichsten Menschen der Welt fast ausschließlich amerikanische Industrielle. An der Spitze stand John D. Rockefeller, Gründer von Standard Oil, der als erster Milliardär der Geschichte gilt und dessen Vermögen – inflationsbereinigt oder als Anteil am damaligen BIP betrachtet – ihn bis heute zum reichsten Menschen aller Zeiten macht. 

Direkt dahinter folgte Andrew Carnegie, der Stahlmagnat, dessen Carnegie Steel Company 1901 für 480 Millionen Dollar verkauft wurde und dessen Reichtum ebenfalls in die Hundermilliarden-Dollar-Klasse gerechnet wird. 

Weitere prominente Namen waren der Bankier J.P. Morgan, der Eisenbahn- und Schifffahrtsmagnat Cornelius Vanderbilt (bzw. seine Erben) sowie teilweise europäische Finanzdynastien wie die Rothschilds, deren Vermögen jedoch meist familienverteilt war. Der überwiegende Teil des globalen Superreichtums konzentrierte sich in den USA, da Europa durch frühere Kriege wirtschaftlich geschwächt war und die amerikanischen Monopole in Öl, Stahl und Eisenbahnen beispiellose Gewinne erzielten.

Heute sind es die Tech-Milliardäre

Stand 6. Januar 2026 dominieren Tech-Milliardäre die Liste der reichsten Menschen der Welt, wobei Elon Musk (Tesla, SpaceX, xAI) mit deutlichem Abstand an der Spitze steht. Laut Forbes und Bloomberg schwankt sein Vermögen täglich stark durch Börsenkurse, liegt aber aktuell bei Schätzungen zwischen etwa 644 Milliarden US-Dollar (Bloomberg) und bis zu 726 Milliarden US-Dollar (Forbes-Stand Anfang Januar). Musk hat 2025 enorme Zuwächse verzeichnet und bleibt seit Monaten unangefochten die Nummer eins.Auf den Plätzen dahinter folgen vor allem Mitgründer und Führungskräfte großer Tech-Konzerne: Larry Page (Alphabet/Google) und Larry Ellison (Oracle) kämpfen um Rang zwei und drei, gefolgt von Jeff Bezos (Amazon), Sergey Brin (Alphabet) und Mark Zuckerberg (Meta). Die Top 10 umfassen zudem Namen wie Bernard Arnault (LVMH), Jensen Huang (NVIDIA) und Warren Buffett (Berkshire Hathaway), wobei das kombinierte Vermögen der Spitzengruppe bei rund 2,6 Billionen US-Dollar liegt. Die reichste Frau ist Alice Walton (Walmart-Erbin) mit etwa 119 Milliarden US-Dollar, was sie meist um Platz 15 positioniert. Diese Zahlen ändern sich laufend durch Aktienbewegungen, wobei der KI-Boom und Tech-Aktien die Haupt-Treiber für die enormen Vermögen bleiben.

Die Mittelschicht schrumpft

In den Vereinigten Staaten ist der Trend seit Jahrzehnten klar belegt: Laut aktuellen Analysen des Pew Research Center (Stand 2023/2024, mit Fortsetzungstrend bis 2025) lebten 1971 noch 61 Prozent der Amerikaner in mittelständischen Haushalten, 2023 nur noch 51 Prozent. Der Anteil der oberen Einkommensschicht stieg von 11 Prozent auf 19 Prozent, während der untere Bereich leicht zunahm. Die Mittelschicht schrumpft also vor allem, weil mehr Menschen in die obere Mittelschicht oder Oberschicht aufsteigen – gleichzeitig wächst aber auch die untere Schicht, und die Einkommenszuwächse der Mittelschicht (ca. +60 Prozent seit 1970, inflationsbereinigt) hinken denen der Oberklasse (+78 Prozent) deutlich hinterher. Viele Berichte aus 2025/2026 betonen, dass steigende Lebenshaltungskosten (Wohnen, Bildung, Gesundheit) und Schulden den klassischen Mittelschicht-Lebensstil erschweren, auch wenn die USA insgesamt reicher geworden sind.In Europa zeigt sich ein differenzierteres Bild. Laut neueren Analysen von Eurofound und OECD (Daten bis 2021/2022, mit Trends bis 2024/2025) blieb die durchschnittliche Größe der Mittelschicht EU-weit relativ stabil (ca. 64 Prozent seit Mitte der 2000er), schrumpfte jedoch in fast zwei Dritteln der Mitgliedstaaten – teilweise deutlich, in anderen Ländern (v. a. Osteuropa wie Polen, Rumänien, Kroatien) wuchs sie sogar stark durch Einkommenskonvergenz. In West- und Nordeuropa (z. B. Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Österreich) ist ein Schrumpfen häufiger zu beobachten, oft durch Zuwächse am unteren und oberen Rand. Die Mittelschicht fühlt sich besonders durch steigende Wohnkosten, stagnierende Reallöhne in manchen Sektoren und die Folgen von Inflation/Krisen (COVID, Energiepreise) "gequetscht" – ein Phänomen, das die OECD bereits 2019 als "squeezed middle class" beschrieb und das sich seither fortsetzt.

In den USA sank der Anteil der Mittelschicht von 61 Prozent der Haushalte 1971 auf 51 Prozent 2023. In Europa ist die Mittelschicht in fast zwei Dritteln der EU-Staaten in den letzten 15 Jahren geschrumpft, oft durch steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Reallöhne.

Die Politik führt immer dazu, dass entweder die Superreichen profitieren oder die Staatsquote aufgebläht wird

Doch was immer die Politik tut, entweder nutzt sie den Superreichen, noch reicher zu werden, oder sie führt zu mehr Staatsquote.

In den letzten Jahrzehnten hat der Boom der Milliardäre die Ungleichheit angeheizt, wobei 0,001 Prozent der Weltbevölkerung dreimal so viel Vermögen halten wie die ärmste Hälfte der Menschheit, und Steuererleichterungen für Reiche hauptsächlich diesen zugutekommen, ohne nennenswerten Trickle-down-Effekt.

Die Staatsquote steigt in vielen Ländern: In der EU betrug der Regierungsanteil an den Ausgaben 46,2 Prozent des BIP im zweiten Quartal 2025, und in den USA liegt der Bundesausgabenanteil bei etwa 23 Prozent des BIP, mit Zunahmen durch Krisen wie die Pandemie und Alterung der Bevölkerung.  

Die Zahl der Sozialleistungsempfänger nimmt zu, insbesondere durch demografische Veränderungen: In den USA und Europa steigen Ausgaben für Pensionen und Sozialhilfe, wobei die USA pro Person sogar mehr für Soziales ausgeben als viele europäische Länder, und in Europa führt die Alterung zu einer wachsenden Belastung für die arbeitende Bevölkerung.

Was fehlt ist eine Politik für die Mittelschicht

Was die Bürger sich in Nordamerika und Europa herbeisehnen ist eine Politik, die die Mittelschicht stärkt. Ideal ist eine Gesellsschaft, in der die Mittelstand den größten Anteil stellt und sozial gut genug abgesichert ist, um den Lebensunterhalt und die Altersvorsorge mit eigenen Mitteln zu bestreiten. Eine solche Gesellschaft kann einen kleinen Anteil von Sozialleistungsempfängern stützen und einige Superreiche ohne Neiddebatte tolerieren.

Doch die Tendenz geht genau in die andere Richtung. Wählen die Bürger wirtschaftsliberale Parteien, profitieren die Superreichen. Wählen die Bürger linke Parteien, steigt die Staatsquote, und die Superreichen profitieren wieder, diesmal von Staatsaufträgen.

Was wir brauchen, überall im Westen, ist eine Politik, in der die Bürger der Mittelschicht und Arbeiterklasse, Bauern, Handwerker, Kleinunternehmer, Gewerbetreibende, Fabrik- und Bauarbeiter, kurz der Otto-Normalverbraucher wieder mehr Geld in der Tasche hat, um sich ein gutes und sicheres Leben zu machen.

Sven von Storch

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