Berliner Gymnasien: Deutsche Literatur in einfacher Sprache

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Einführung

Das Schreiben und das Lesen ist nie mein Ding gewesen, singt der Schweinefürst in der Operette Der Zigeunerbaron. Mittlerweile greift dieses Unvermögen auch in Berlin um sich. Es wird nicht bedauert, sondern zur Norm erklärt. Die Folgen dieser Bildung sehen wir in Gesetzestexten, Behördenbriefen und in der Presse, oder schreibt man presse klein oder mit scharfem s?


An Berliner Gymnasien werden deutsche Literaturklassiker zunehmend in vereinfachter Sprache gelesen. Goethe, Schiller, Lessing. Texte, die einmal dazu da waren, jungen Menschen beizubringen, dass Denken Arbeit macht, werden sprachlich entschärft. Nicht als Ausnahme. Nicht als Notbehelf. Sondern ganz offiziell. Faust ohne Faust. Handlung statt Sprache. Inhaltsangabe statt Auseinandersetzung.

Wie Focus Online am 11. Januar 2026 berichtet, greifen Lehrkräfte zu diesen Fassungen, weil viele Schüler mit den Originaltexten nicht mehr zurechtkommen. Auch in höheren Klassen. Alte Sprache gilt als sperrig. Längere Sätze als Zumutung. Gedankengänge, die sich nicht sofort erschließen, als Risiko für den Unterrichtsablauf. Also wird nicht geübt, sondern angepasst. Nicht erklärt, sondern verkürzt.

Ein Verlag liefert dafür das passende Material. Die Reihe heißt „Einfach klassisch“. Behutsam gekürzt, sprachlich vereinfacht, mit dem Versprechen höherer Lesemotivation. Was für Haupt- und Gesamtschulen gedacht war, steht heute im Gymnasium als Klassensatz im Regal. Eine Berliner Deutschlehrerin sagt offen, sie nutze diese Ausgaben vor allem aus Zeitgründen. Es gehe ihr um die Handlung, nicht um die Sprache.

Man muss diesen Satz wirken lassen. Nicht um die Sprache. Also nicht um das Denken. Nicht um Rhythmus, Klang, Widerstand. Sondern um den bloßen Ablauf. Wer tritt auf. Wer liebt wen. Wer stirbt. Literatur reduziert auf den nackten Plot.

Einige Lehrer melden Zweifel an. Sie fragen, ob man den Schülern wirklich nichts mehr zutraut. Ob man ihnen die Schönheit und auch die Härte klassischer Sprache nicht mehr zumuten will. Der Vergleich mit der Musik liegt nahe. Niemand käme auf die Idee, Mozart zu vereinfachen, indem man Noten streicht. In der Literatur scheint genau das inzwischen als fortschrittlich zu gelten.

Was hier als Pragmatismus verkauft wird, ist eine Kapitulation. Nicht vor Goethe. Sondern vor der Aufgabe. Das Gymnasium war einmal der Ort, an dem man lernen durfte, sich anzustrengen. Heute wird der Text verkleinert, damit er in die Aufmerksamkeit passt. Die Sprache wird reduziert, damit sie niemandem mehr wehtut. Unvermögen wird nicht mehr überwunden, sondern verwaltet.

Wie das Ergebnis aussieht, muss man nicht diskutieren. Man kann es zeigen.

+++

Beispiel aus der Feder des Autors:

Goethes Faust in einfacher Sprache

Faust ist ein Mann.

Er hat viel gelernt.

Er hat viele Bücher gelesen.

Trotzdem ist Faust nicht zufrieden.

Er denkt:

Ich weiß zu wenig.

Das Leben ist schwierig.

Faust sitzt in seinem Zimmer.

Es ist Nacht.

Er ist traurig.

Faust sagt:

Ich bin schlau.

Aber ich bin nicht glücklich.

Faust denkt über den Tod nach.

Das findet er kurz gut.

Dann hört er draußen Menschen singen.

Faust denkt:

Vielleicht ist das Leben doch noch okay.

Plötzlich kommt Mephisto.

Mephisto ist der Teufel.

Er ist klug und frech.

Mephisto sagt:

Ich kann dir helfen.

Faust sagt:

Gut.

Sie machen einen Vertrag.

Faust bekommt ein besseres Leben.

Der Teufel bekommt seine Seele.

Später.

Faust trifft Gretchen.

Gretchen ist jung.

Sie ist nett.

Sie verlieben sich.

Es gibt Probleme.

Am Ende ist alles sehr traurig.

Faust lebt weiter.

Er erlebt viel.

Er denkt weiter nach.

Das ist Faust

Sven von Storch

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Blog comments

Bolschewisten haben keinen Sinn für Ästhetik oder Leistung. Letzteres schaffen sie durch Vereinheitlichung durch Senken des Niveaus.  Aber auch Kunst und Mode sind nur noch häßlich, keine Qualität in Mode und Gebrauchsgütern. Bei Möbeln muß man zu antiquaren Teilen ausweichen. Die Sprache wird veinheitlicht, Dialekte sind verschwunden. Bald wird sich die Menschheit nur noch angrunzen, es sei, jemand setzt dem Wahnsinn ein Ende.

Faust denkt, Menschen in Berlin entsorgen ihren Müll nicht ordentlich.

Sie bekleben und beschmieren Hauswände.

Sie fackeln die Energieversorgung ab.

Dann müssen sie auch nicht richtig lesen und schreiben können.

Es reicht, wenn sie das Bürgergeld in Empfang nehmen können.

Fachkräfte? Nein, sie sind Konsumenten mit dem Hab und Gut der Leistungsgesellschaft.

Humor haben sie auch. Sie krümmen sich vor Lachen über die Deutschen.

In Berlin kann man gar nicht so verrückt denken, wie es kommt!

AfD wählen und nicht meckern!

Deutsche Literatur muß ja sowieso überarbeitet werden!

Haben es doch unsere Dichter und Denker sträflich versäumt, in ihren Werken zu gendern!

Wenn es nur das wäre, wäre es nicht so schlimm. Das "Gendern" haben die Dichter und Denker aber deswegen "versäumt", weil sie ganz überwiegend selbst Ausprägung und vielleicht sogar Inbegriff des "unterdrückerischen", "aggressiven", "faschistischen", "diskriminierenden", "machtmissbrauchenden", "phallogozentrischen" und "frauenfeindlichen" "Patriarchats" und der "männlichen" "Gesellschaft" sind, die wir at all cost und ohne Rücksicht auf Verluste zu "überwinden" haben. Das ist keine Kunst, Sie verstehen, das kann weg. 

Mithin sind die deutschen Dichter und Denker der deutschen Literaturgeschichte und Philosophie bis einschließlich der Moderne sämtlich ein Fall für die Postmoderne und die postmodernistischen Richter*Innen und Henker*Innen in Deutschland heute :   "Alles ist richtig, auch das Gegenteil", nur "vielleicht ein bisschen", das ist nie richtig.

So. Nachdem das geklärt ist, schlage ich vor, mit dem "Schwamm drüber" zu gehen über die ganze "Riesensauerei."

 

 

 

 

Ekkehardt Fritz Beyer

05.02.2026 | 09:06

Ich finde, Integrationsleistung ist immer eine Bringschuld von 'Zuwanderern'.

Wenn sie diese nicht erbringen können, oder wollen, dann sind sie
nicht tauglich, und dann sollten sie sich besser ein anderes Land,
mit geringerem Anspruchsniveau bzgl. der Kulturtechniken, suchen.

Dass der Deutsch-Unterricht "unserer Kleptokratie" jetzt zu einer
"Tagesschau in einfacher Sprache" degeneriert wird, ist skandalös.

Glass Steagall Act

09.02.2026 | 14:13

Das in Artikel angegebene Beispiel ist definitiv keine Literatur! Das ist malen nach Zahlen, mehr nicht. Wenn das die „Literatur“ der neuen Generation ist, dann gute Nacht Deutschland! „Faust ist ein Mann“ … hahaha.

Ich kann mich noch erinnern, als ich noch zum Gymnasium ging. Da wurde noch knallhart Goethe (Faust und Iphigenie auf Tauris) gelehrt! 

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