Gastbeitrag von Meinrad Müller

Stadt Berlin wird erpresst: 42.312 Aktenordner erbeutet

Die Täter behaupten, Daten aus knapp 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren, mehr als 46.500 Verträge, Justizunterlagen, Notfallplänen und Tausenden Zugangsdaten erbeutet zu haben. Diese Informationen aus dem Innersten einer Verwaltung, bei der vieles über Bürger, Unternehmen und Behörden gespeichert ist, sind Sprengstoff. Man mag sich nicht ausdenken, wenn diese Daten veröffentlicht würden.

Symbolbild für Cyberangriff auf Berlin


Von Meinrad Müller

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bestätigte am 28. August 2026 nach einer Sondersitzung des Senats: Die Hauptstadt wird nach dem Einbruch in ihr Datennetz erpresst. Die Täter verlangen nach Medienberichten rund zwei Millionen Euro. Berlin ist empört, dabei braucht man sich jedoch nicht zu wundern, wenn Haustür und Tresore sperrangelweit offen stehen. Erbeutet wurden nach Angaben der Täter sechs Terabyte Daten. Das entspricht, auf die Berliner Behördenwelt umgerechnet, ungefähr 42.312 prall gefüllten Aktenordnern. Erbeutet mit einem Saugrüssel aus dem Internet. Die Täter waren offenbar mindestens eine Woche in den Behödendatenbanken unterwegs, bevor Berlin den Einbruch überhaupt bemerkte. Als Beleg veröffentlichten die Einbrecher sogar Kostproben ihrer Beute, darunter Unterlagen mit dem Vermerk „Vertrauliche Personalsache“.

Berlin besitzt sogar einen eigenen Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit. Seine Aufgabe ist ausgerechnet die Sicherheit jener Informationen, die nun in fremden Händen liegen. Da darf die Frage erlaubt sein: Was macht der Mann eigentlich hauptberuflich? Seit Jahren werden Sicherheitsmängel, veraltete Programme und zersplitterte Zuständigkeiten kritisiert. Viele der angemahnten Schutzmaßnahmen hätten einen Bruchteil dessen gekostet, was nun allein als Lösegeld verlangt wird. Für Genderprojekte, Beauftragte und Christopher-Steet-Day findet sich Geld. Nur an die Computer ein ordentliches Schloss anzubringen, dafür war man offenbar unfähig. In Berlin heißt das schlicht unwillig.

Zwei Millionen Euro Lösegeld

Die verlangten zwei Millionen Euro Lösegeld entsprechen knapp 50 Cent pro Berliner. Also lieber das Lösegeld zahlen, als den Schaden noch anschwellen zu lassen. Beim Umgang mit Geld war die Hauptstadt ohnehin nie besonders zurückhaltend. 2025 erhielt Berlin wieder 4,2 Milliarden Euro aus dem Finanzkraftausgleich. Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gehören zu den Ländern, die Milliarden einzahlen. Wer mit dem Geld anderer Leute arbeitet, entwickelt offenbar eine gewisse Gelassenheit. Geld spielt in Berlin keine Rolex.

Berlin möchte seine Verwaltung modernisieren. Die alten Aktenordner müssen nun irgendwie in die Computer hineingepresst werden. Man muss dabei nur eins und eins zusammenzählen können. Papier, Postwege, Fax, alte Softwareprogramme und Zuständigkeitswirrwarr gehören noch immer zum Behördenalltag. Draußen schreiben wir 2026. Hinter manchen Amtstüren befindet sich die Verwaltung gefühlt noch auf dem technischen Stand von 1980.

In Berliner Behörden laufen noch Windows-Server aus dem Jahr 2008, längst ohne reguläre Sicherheitsupdates. Auch die Umstellung auf Windows 11 hinkt hinterher. Wer seine digitalen Türen so alt werden lässt, muss sich über Einbrecher nicht wundern.

Für Berlin als Stadt der Firmengründer ist das besonders peinlich. Junge Unternehmen sollen hier entstehen, wachsen und internationale Geschäftspartner gewinnen. Denen wird der Zustand ihrer Hauptstadt nun gratis aufs Butterbrot geschmiert. Ein Berliner Unternehmer darf seinem Geschäftspartner in Zürich, London oder New York erklären, dass Berlin von digitaler Zukunft spricht, digitale Einbrecher aber tagelang nicht bemerkte. 

Die Beute im Internet veröffentlichen

Kai Wegner erklärt, Berlin lasse sich nicht erpressen. Das klingt entschlossen. Nur interessiert das die Erpresser herzlich wenig. Sie drohen damit, ihre Beute nach Ablauf der Frist im Internet zu veröffentlichen. Dann könnten die gestohlenen Unterlagen nach und nach öffentlicht werden. Wegner kann sich sträuben, wie er will. Die Blamage hat Berlin bereits. Wird nicht gezahlt, droht weiterer Schaden. Wird gezahlt, gibt es keinerlei Garantie, dass die Daten verschwinden.

Die Täter werden ihre Kopien schließlich kaum feierlich auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Sie können sie behalten, verkaufen, weitergeben oder später erneut als Druckmittel einsetzen. Auch wenn Wegner bis zur Wahl nur noch 22 Tage bleiben, dürfte diese Hinterlassenschaft länger halten.

Sven von Storch

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Comments

Ekkehardt Fritz Beyer

31.08.2026 | 12:29

... „Beim Umgang mit Geld war die Hauptstadt ohnehin nie besonders zurückhaltend.“ ... „Geld spielt in Berlin keine Rolex“!!! ...

Ist es da nicht grundsätzlich fair, pro Einwohner sozialverträglich nur 50 Cent zu verlangen – wobei diese für die ohnehin Bedürftigen von den Vermögenden bzw. jenen übernommen werden können, welche den Dieben ihre Arbeit durch Nachlässigkeit überhaupt erst ermöglichten???  

Wäre es da nicht sogar ein Segen, wenn die gestohlenen Daten kopiert - und zur Herstellung von Transparenz nach der Zahlung des Lösegelds doch noch veröffentlicht würden???  

Wie blöd muß man eigentlich sein, daß man seine Akten den interessierten Lesern im Internet zum download anbietet. Verblödung oder Verbeamtung schützt in Deutschland vor Strafe. Die vom kranken Innenministerium weisungsgebundene Staatsanwaltschaft schafft es nicht den Verkauf oder die Anwendung von undichten Spionagebetriebssystem vor Gericht zu bringen.

Eduard Schneehöhle

31.08.2026 | 14:59

Nee, iss klar, ne ?

Wenn CIA oder NSA in ihrem Protektorat
die Täter, mit ihren Multi-Milliarden teuren
AI-basierten 'Tools', "nicht ermitteln" können,
kann ich mir wirklich sehr gut vorstellen, wer
die Täter in Wahrheit sind ...

Else Schrammen

31.08.2026 | 15:28

Was willste machen, dette is Balin! Eine Verwaltung, für die Telefon und Fax die elektronische Neuzeit repräsentieren. soll plötzöich mit Computern und deren Tücken fertig werden!

Mit dieser "Erpressung"  kommen die Berliner unfähigen Behörden sehr billig davon und es zeigt wieder einmal ,dass diese Regierung es nicht kann .Digitalisierung mit Dummheit und Abhängigkeit !  ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !  !!  ! !!  ! !

Aber eine noch viel größere Dummheit ist Arroganz und selbstherrliche >Überschätzung ,von Politikern ,welche am Dunning-Kruger-Effekt  leiden !

Die Dummheit von gerne Kriegstüchtigen ,welche sich kriegsunfähig in Bunkern verstecken 

Krall warnt: Attackiert Russland Berlin nach Ende des 2+4 Vertrags? (Markus Krall)

https://youtu.be/qILvQpbRq5o?si=z0qTM8HKpGDdYDjf

Johannes Friedrich

01.09.2026 | 13:28

Wer garantiert, daß die Erpresser sich mit den 2 Millionen zufriedengeben und nicht immer wieder mit weiteren Forderungen kommen. Also ist die Aussage "Berlin wird sich nicht erpressen lassen" richtig. 

Den Normalbürgern wird auch immer geraten, sich nicht auf Erpressungsversuche einzulassen, etwa wenn sie durch Hacker nicht mehr an ihre Dateien kommen.

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